Sport : Ein 16-Jähriger düpiert die Schach-Elite

Martin Breutigam

Berlin - Niemand weiß, ob Magnus Carlsen eines Tages Schachweltmeister wird. Doch so erfolgreich wie der 16-jährige Norweger nun in Morelia (Mexiko) aufgespielt hat, waren im gleichen Alter selbst Bobby Fischer oder Garry Kasparow nicht. In der Nacht zum Montag endete die erste Hälfte des Weltklasseturniers in Morelia – und Carlsen führt sensationell die Tabelle an, punktgleich mit dem Inder Viswanathan Anand. Die Rückrunde beginnt am Freitag in Linares/Spanien.

Innerhalb weniger Wochen ist Carlsen ein enormer Leistungssprung gelungen: Im Januar beim Turnier in Wijk aan Zee endete er als Vorletzter, keine seiner 13 Partien hatte er dort gewinnen können. Anders in Morelia, wo Carlsen stets mit einer Plastiktüte voller Proviant die Bühne des Ocampo Theaters betritt. Von seinen sieben Partien gewann Carlsen drei, allesamt gegen Top-Ten-Spieler, die er in stundenlangen Sitzungen niederringt. Er schlug Alexander Morosewitsch in 68 Zügen und Wassili Iwantschuk in 60. Sogar Wesselin Topalow, der Weltranglisten-Erste, beglückwünschte ihn nach 64 Zügen per Handschlag. Anschließend wies Carlsen ihn darauf hin, dass das Aufgeben überhaupt nicht nötig war: Topalow hatte die rettende Idee übersehen. „Er schüttelte nur den Kopf, als Magnus ihm die Verteidigung zeigte“, sagte Henrik Carlsen, der seinen Sohn in Mexiko begleitete.

Drei weitere Partien Carlsens endeten remis, nur eine verlor er: gegen Anand. Von seinem Vater hatte er mit fünf die Schachregeln erklärt bekommen. Doch erst mit acht interessierte er sich für das Spiel. Mit 13 Jahren wurde er Großmeister. Jetzt ist er 24. der Weltrangliste. Seine größten Stärken sind Intuition und Kombinationsgabe. Trotz aller Schach- Ambitionen geht Carlsen weiter in Oslo zur Schule, seit kurzem auf Norwegens College für angehende Spitzensportler. Dort wird er auch von Großmeister Simen Agdestein unterrichtet, seinem einstigen Entdecker.

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