Sport : Ein 25 Meter langer Fleischtopf

Frank Bachner

Ed Moses fiel in sein Hotelbett und war tot. Jedenfalls sagte sein Trainer Morgan: "Der ist tot, der kommt heute nicht." Morgan stand in der Berliner Schwimmhalle, es war ein Tag vor dem Weltcup, und eigentlich hätte jetzt Moses ein paar Bahnen locker durchziehen können. Aber Ed Moses aus Virginia/USA hatte zwei Tage zuvor in Stockholm drei Weltrekorde geschwommen, über 50 m, 100 m und 200 m Brust und drei Tage davor in Paris noch einen. "Jetzt ist er platt", sagte Morgan.

Moses hätte ja trotzdem trainieren können, locker, ohne Belastung. Das wäre normal gewesen nach einem harten Wettkampf. Aber Moses blieb im Hotel, "und das zeigt, dass er den Weltcup in Berlin sehr ernst nimmt", sagte Beate Ludewig, die Trainerin von Ralf Braun, dem Vize-Weltmeister über 200 m Rücken. Moses nahm den Wettbewerb verdammt ernst: Über 200 m Brust schwamm er wieder Weltrekord.

Allein in Berlin gab es sechs Weltrekorde. Und auf den acht anderen Weltcup-Stationen fielen zusätzlich diverse Welt-Bestmarken. Auf der Kurzbahn, ausgerechnet auf der Kurzbahn, die früher keiner so richtig ernst nahm. Aber warum jetzt? "Weil es hier natürlich auch ums Geld geht", sagt Jacco Verhaeren, der Trainer des holländischen Olympiasiegers Pieter van den Hoogenband. Moses strich allein 50 000 Mark für seinen Sieg im Gesamt-Weltcup ein, für jeden seiner Weltrekorde kamen noch mal 4000 Dollar dazu. Und für jeden Sieg beim einem Start kassierte er zudem noch 1000 Dollar.

Der Kurzbahn-Weltcup ist inzwischen ein riesiger Geldtopf. 780 000 Dollar lagen in dieser Saison in diesem Topf, 780 000 Dollar für neun Wettkampf-Stationen auf der ganzen Welt. "Es gibt jetzt viel mehr Schwimmer, die sich speziell auf diese Wettbewerbe vorbereiten", sagt Beate Ludewig. Moses zum Beispiel. Oder Martina Moravcova aus der Slowakei, die in Berlin Weltrekord über 100 m Schmetterling schwamm. Früher starteten Top-Stars aus dem vollem Training heraus bei solchen Meetings. Wirkliche Bedeutung hatte damals nur die 50-m-Bahn. Die Holländer denken noch heute so. Van den Hoogenband hatte kurz vor Berlin noch hart trainiert. Aber der 23-Jährige kassiert von einem Sponsor Riesensummen, er ist auf die Preisgelder nicht angewiesen. Oleg Lisogor aus der Ukraine schon. Er verbesserte in Berlin den Weltrekord über 50 m Brust.

Und Moses natürlich auch. Mit Schwimmen ist in den USA selten viel Geld zu verdienen. Also haben die US-Amerikaner den Weltcup entdeckt. Seit zwei Jahren ist auch eine US-Stadt Teil der Meeting-Serie. Der kurze Abstand zwischen den Wettkämpfen kommt den Stars entgegen. "Die körperliche Spannung bleibt so erhalten, es gibt keinen Leistungsabfall", sagt Henning Lambertz, der Trainer von Thomas Rupprath. Auch Rupprath schwamm in Berlin einen Weltrekord.

Natürlich spielt auch das schnelle Becken von Berlin eine Rolle. Aber dann kommt noch ein anderer Aspekt dazu. Doping, zumindest als Überlegung. Ed Moses, hatte der deutsche Cheftrainer Ralf Beckmann erklärt, "hat das Brustschwimmen auf einem neuen Stern positioniert". Bestimt hat er das. Nur, wie er das geschafft hat, ist eine andere Frage. Ein deutscher Trainer sagt bloß: "Bei solchen Zeiten kommen noch andere Punkte als Training dazu. Aber wir wollen lieber nicht spekulieren."

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