Sport : Ein Abstieg

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Benedikt Voigt über das Ende der Unterhachinger Idylle

Es gab eine Zeit, als der SpVgg Unterhaching die Sympathien zuflogen. Geschickt hatte der Klub aus dem Süden Münchens sein Asterix-und-Obelix-Image gepflegt: Unterhaching, das war das kleine Dorf, das es mit den Großen der Liga aufnahm, obwohl der Zaubertrank ein herkömmlicher war. Trainer Lorenz-Günter Köstner hat ihn gebraut, mit viel Defensive und noch mehr Arbeit. Die Fans mochten den Klub, der so bescheiden daher kam. Zumal der Sportpark Unterhaching mit dem schönsten Biergarten der Bundesliga lockte. Nun aber gerät die Idylle an der S-Bahnlinie nach Holzkirchen in Gefahr, und das liegt nicht an den Morddrohungen, die Präsident Engelbert Kupka erhalten hat.

Natürlich rechtfertigt nichts die Drohungen gegen Kupka. Dennoch muss der Verein aufpassen, dass er nicht alle Sympathien verspielt und zur Spielverderber-Vereinigung wird. Gestern hatte der Klub das Oberlandesgericht Stuttgart angerufen und verloren, heute ist das Oberlandesgericht Frankfurt an der Reihe. Es muss entscheiden, ob die Lizenz für Frankfurt durch Straftaten begünstigt wurde, wie die Unterhachinger behaupten. Mit allen juristischen Mitteln versuchen sie, einen Platz in der Zweiten Bundesliga zu erstreiten. Ihr Vorgehen ist sicherlich legitim - sportlich ist es nicht.

Sportlich, daran sei noch einmal erinnert, stieg die Spielvereinigung aus der Zweiten Liga ab. Nur die langwierigen Lizenzierungsverfahren für Reutlingen und Frankfurt schürten anschließend die Hoffnung auf den Klassenerhalt. Dass Unterhaching ausschließlich für die Zweite Liga plante und im Falle des Abstiegs eine Mannschaft besäße, die wegen der geringeren Fernseheinnahmen in der Regionalliga nicht bezahlt werden könnte – das ist Unterhachings Problem. Ein Profiverein muss trotz der vielen Wendungen nach Saisonschluss zu einer zweigleisigen Planung fähig sein. Dass Unterhaching nun auch noch unwürdige Gerichtsschauspiele aufführt, ist erst der richtige Abstieg.

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