Ein Alba-Fan im Interview : "Keiner weiß, wie die Stimmung wird"

Die Fans sind skeptisch: Jörg Busche über den Umzug in die neue Arena – und seine Bedenken. Über Parkplatznot und einen Mangel an Eintrittskarten wird sich wohl keiner beschweren.

Herr Busche, wie haben Sie die Nachricht aufgenommen, dass die Basketballer von Alba Berlin in die Großarena am Ostbahnhof umziehen?

Ich würde sagen: mit gedämpftem Optimismus. Noch weiß keiner, wie die Stimmung wird. Wie laut man trommeln und schreien muss, damit die Halle kocht. Ich hatte leider noch keine Gelegenheit, mich in der Halle umzusehen und ein Gefühl für die Größe zu bekommen. Wir Fans werden uns jedenfalls die größte Mühe geben.

Alba ist überzeugt davon, dass es die richtige Entscheidung war.

Unsere Euphorie ist nicht ganz so groß wie bei den Vereinsverantwortlichen. Aber Alba freut sich natürlich auch darüber, jetzt ganz andere Vermarktungsmöglichkeiten zu haben. Das ist für mich als Fan nicht so wichtig. Es war sicher eine schwierige Entscheidung. Immerhin haben wir jede Menge Titel in der Max-Schmeling-Halle gewonnen.

Hat der Verein Sie in die Entscheidung einbezogen?

Nein. Alba wollte aber schon Mitte der vergangenen Woche von uns wissen, wo wir in der neuen Halle stehen wollen. Uns war wichtig, dass es auch weiter einen Fanblock hinter einem der Körbe gibt. Einige Fragen sind aber noch ungeklärt. Zum Beispiel, wo wir den Stand unseres Fanklubs aufbauen dürfen. Aber solche Sachen haben natürlich bei den Verhandlungen mit Anschutz noch keine Rolle gespielt.

Sie haben 1996 schon den Umzug von der Sömmeringhalle in die Max-Schmeling-Halle mitgemacht. Erwarten Sie einen ähnlichen Quantensprung wie damals, als sich Alba ein ganz neues Publikum erschlossen hat?

Die beiden Situationen sind absolut nicht miteinander zu vergleichen. Damals zog Alba aus dem tiefsten West-Berlin in den Prenzlauer Berg. Jetzt ist eigentlich nur das Ausmaß der Halle neu, aber es gibt kein völlig neues Umfeld. Aber immerhin einen Parkplatz vor der Tür und eine bessere öffentliche Verkehrsanbindung. Das kann auch schon helfen.

Alba hatte in dieser Saison einen Schnitt von rund 7000 Zuschauern. In die neue Halle am Ostbahnhof passen mehr als doppelt so viele. Wo sollen die herkommen?

Das Potenzial ist in Berlin auf jeden Fall da. Die Frage ist nur: Wie ködert man die Leute? Viele Kids interessieren sich zwar für Basketball, aber eigentlich nur für die NBA. Die Bundesliga ist denen egal. Eine neue, spektakuläre Halle kann natürlich helfen.

Haben Sie keine Angst, dass die Arena meist halbleer bleibt?

Es kann natürlich sein, dass der Oberring bei einzelnen Spielen gegen unattraktive Gegner – die es nun mal leider gibt in der Bundesliga – abgehängt werden muss, damit man die leeren Sitze nicht sieht. Aber ich sehe den Umzug als eine langfristige Geschichte. Und eines ist klar: Zurück geht es nicht, das wäre für Alba der Gesichtsverlust schlechthin.

Das Gespräch führte Lars Spannagel.

Jörg Busche, 42, besuchte 1988 sein erstes Spiel von Alba-Vorgänger DTV Charlottenburg in der Basketball-Bundesliga. Seit 1996 ist er Vorsitzender des Fanklubs "Alba-Tross“.

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