Sport : Ein Alptraum wiederholt sich

Wie im Vorjahr vergibt Roger Federer gegen Novak Djokovic zwei Matchbälle – und scheidet beim 7:6, 6:4, 3:6, 2:6, 5:7 erneut im Halbfinale der US Open aus

Petra Philippsen[New York]
Nur zwei Sätze stark. Roger Federer scheitert in New York erneut. Foto: dpa
Nur zwei Sätze stark. Roger Federer scheitert in New York erneut. Foto: dpaFoto: dpa

Als Roger Federer am Samstagmittag das Arthur-Ashe-Stadium betrat, wurde er von den 23 700 Zuschauern empfangen wie ein Popstar. Sie kreischten, johlten und klatschten für ihn, und der Schweizer hob dankend seinen Arm in die Menge. Der Empfang tat Federer gut. In Flushing Meadows ist er für die Fans noch der König, obwohl sein Reich längst von einem anderen beherrscht wird. Und der, der seit Wimbledon das Regiment im Herrentennis führt, folgte ein paar Schritte hinter Federer auf den Platz. Novak Djokovic hatte in dieser Saison einen Lauf von 43 Seriensiegen hingelegt, bis Federer ihn im Halbfinale der French Open stoppte. Doch seither verlor Djokovic nur ein einziges weiteres Match, und Federer wusste, dass es wieder eine ungewöhnliche Leistung brauchte, um in sein siebtes US-Open-Finale der letzten acht Jahre einzuziehen. Sie sollte Federer nur bedingt gelingen. Der fünfmalige Champion unterlag mit 7:6, 6:4, 3:6, 2:6 und 5:7 (das zweite Halbfinale war nach Redaktionsschluss beendet).

„Ich freue mich jedes Mal riesig auf New York“, hatte Federer erklärt, „die Stadt elektrisiert mich, ich bekomme hier eine besondere Energie.“ Und es war wohl tatsächlich diese besondere Beziehung, die aus Federer wieder jenes Tennis herauskitzelte, bei dem die Zuschauer nur noch verdutzt raunen konnten. Besonders die einhändig geschlagene Rückhand die Linie hinunter funktionierte perfekt – aber eben nur zwei Sätze lang.

Konzentriert begann Federer, das Niveau beider war sofort hochklassig. Djokovic ist in dieser Saison noch beweglicher geworden, in der Defensive ist niemand stärker als der 24 Jahre alte Serbe. Der erste Satz musste im Tiebreak entschieden werden, und auch wenn Federer fünf Satzbälle benötigte, so wirkte er immer ein Quäntchen aggressiver, wollte es etwas mehr. Mit dem Schwung der Führung gelang Federer im zweiten Durchgang das frühe Break. Je länger die Ballwechsel wurden, umso sicherer war es Federer, der punktete. Das Publikum sah eine Partie, die halten sollte, was sie versprach.

Denn plötzlich kippte das Momentum in Richtung Djokovic, dem sofort ein Break im dritten Satz gelang. Er gab ihn nicht wieder ab und spielte inzwischen mit der Art bedingungsloser Hingabe, die ihn in dieser Saison schon zu 62 Siegen und zwei Grand-Slam-Titeln geführt hatte. Federers Aufschlagquote fiel ein wenig ab, ein paar Fehler mehr kamen hinzu und dazu ein wie besessen aufspielender Djokovic, der nun jeden Ball wieder zurückbrachte. Federer entglitt die Partie, die Sicherheit war dahin. Zwei Breaks im vierten Satz weckten die Erinnerungen an 2010.

Damals unterlag Federer gegen Djokovic in fünf Sätzen, hatte beim Stand von 5:4 zwei Matchbälle gehabt, aber noch mit 5:7 verloren. So überrumpeln lassen wollte sich Federer bei der Halbfinal-Neuauflage nicht wieder. Doch es kam genau so: Wieder vergab Federer beim Stand von 5:4 zwei Matchbälle und verlor per Doppelfehler seinen Aufschlag. Den zum 5:6 gleich hinterher. Als Federers Rückhand nach knapp vier Stunden hinter die Grundlinie segelte, hatte sich sein Alptraum wiederholt. „Das war in diesem Jahr mein größter Sieg“, sagte dagegen Djokovic.

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