Sport : Ein Amateur wird Profi

Der neue Coach Heine soll Herthas Pleitenserie beenden – bei Erfolg könnte er weitermachen

Ingo Schmidt-Tychsen

Berlin - Der neue Trainer beginnt seine Arbeit mit ein bisschen Verspätung. Um 10.23 Uhr versammelt Karsten Heine die erste Mannschaft von Hertha BSC auf dem Schenckendorffplatz. Er hält eine kurze Ansprache, etwa neunzig Sekunden lang, dann geht es los. Vorgestellt hatte sich Heine bereits vor dem Training in der Kabine, nachdem Manager Dieter Hoeneß das Team über die Trennung von Falko Götz informiert hatte. „Das ging ganz schnell“, sagt Sofian Chahed.

Beim Berliner Fußball-Bundesligisten ging einiges schnell in der letzten Zeit. Nach dem Ende der Hinrunde hatte es noch sehr gut ausgesehen; für Götz und für Hertha. Die Mannschaft stand auf dem fünften Platz, der Vertrag des Trainers wurde bis 2008 verlängert – die Verkündung dieser frohen Botschaft wurde auf der Mitgliederversammlung von Applaus begleitet.

In der Rückrunde ging es dann schnell bergab – acht sieglose Bundesligaspiele in Folge machten Hertha zur schlechtesten Mannschaft der Rückrunde. Die Stimmung im Team schlug um, Götz vermochte den Verfall nicht aufzuhalten. Im Gegenteil, er rückte in den Fokus der Unzufriedenheit. Nach dem lustlosen Gekicke gegen Arminia Bielefeld am Samstag begannen langwierige Beratungen – über dessen Ergebnis Falko Götz am Montagnachmittag in Kenntnis gesetzt. „Er war gefasst, aber natürlich enttäuscht“, berichtet Hoeneß. „Wenn eine Mannschaft acht Spiele in Folge ohne Erfolgserlebnis geblieben ist, keinen Befreiungsschlag landen konnte, dann sind personelle Konsequenzen meist unausweichlich. In diesem Fall hat es mich getroffen“, schreibt Götz auf seiner Homepage. Telefonisch war der 45-Jährige gestern nicht zu erreichen.

Kotrainer Andreas Thom darf ebenfalls nicht mehr weitermachen. Heine will lieber mit dem ehemaligen Hertha-Scout und Spieler der zweiten Mannschaft Sven Kretschmer arbeiten. Weiter gehen die Reformen nicht. Manager Hoeneß beantwortete die Frage, ob auch seine Position hinterfragt worden sei mit einem „Nein“.

Die Entscheidung, Götz zu entlassen, sei ihm schwer gefallen, erzählt Hoeneß. „Aber anders als im letzten Jahr habe ich nicht mehr geglaubt, dass ein solcher Kraftakt noch einmal vollzogen werden kann“, sagt der Manager. In der vergangenen Saison hatte Götz 13 Spiele in Folge nicht gewonnen, danach mit einer Siegesserie aber noch Platz sechs erreicht. Hoeneß stellte sich die Frage, „ob Falko Götz die Mannschaft noch einhundertprozentig erreicht“. Die Kommunikation zwischen den Spielern und Götz war schon länger gestört, eine gemeinsame Ebene schien es nicht mehr zu geben. Viele Spieler beklagten, Götz treffe nicht den richtigen Ton oder rede gar nicht mit ihnen.

Über einen Nachfolger musste man bei Hertha nicht lange nachdenken. Er habe nicht einmal mit einem anderen Trainer gesprochen, sagt Hoeneß. Karsten Heine, langjähriger Trainer der zweiten Mannschaft, steht erst einmal bis zum Ende dieser Saison unter Vertrag. „Es ist nicht so, dass Karsten Heine ein Interimstrainer ist“, sagt Hoeneß. Zwar werde Hertha sich nach Alternativen umsehen, eine Verlängerung des Vertrages mit Heine sei aber möglich. Dafür müsste Heine von den sechs verbleibenden Spielen die Mehrheit gewinnen – erst einmal geht es aber darum, den Abstieg zu verhindern.

Heine kennt einen Großteil der Mannschaft aus drei Spielzeiten mit dem Regionalliga-Team. Ihn auszuwählen sei, „auf jeden Fall eine korrekte Entscheidung“ gewesen, sagt Mittelfeldspieler Ashkan Dejagah, der in der Regionalliga 56 Mal unter Heine auflief. „Man kann nicht sagen, dass Götz ein schlechter Trainer ist, er hat sich bemüht. Aber die Mannschaft brauchte etwas Neues“, sagt Dejagah.

Warum Falko Götz scheiterte: Seite 3

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