Sport : „Ein Aufstieg ist nicht mehr möglich“

Heinz-Harald Frentzen über den Unterschied zwischen Formel-1-Boliden und Tourenwagen

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Bevor am 18. April auf dem Hockenheimring die neue Rennserie des Deutschen Tourenwagen Masters (DTM) gestartet wird, stellten sich die Teilnehmer gestern in Hamburg vor: mit einem BoxenstoppWettbewerb auf dem Rathausplatz, Start-Demonstrationen auf der Lombards-Brücke und einem Korso auf der Binnenalster. Der prominenteste der 21 DTM-Fahrer ist ein Neuzugang bei Opel, der ehemalige Formel-1-Fahrer Heinz-Harald Frentzen.

Herr Frentzen, sind Sie Saunagänger?

Nein, absolut nicht.

Das wäre vielleicht besser …

Ja, wenn Sie die Hitze meinen, die ich künftig in der DTM aushalten muss. Ich sollte mich jetzt mal reinsetzen, damit ich weiß, was auf mich zukommt.

Schließlich sind Sie ja bisher in der Formel 1 oben ohne gefahren, jetzt haben Sie ein Dach über dem Kopf. Haben Sie keine Angst vor der Kochstufe unter dem Helm?

Ach, das haben meine Kollegen ja bisher auch überlebt. Ich bekomme das schon hin mit dem Flüssigkeitshaushalt.

Welchen Unterschied haben Sie denn ansonsten zwischen der Formel 1 und der DTM ausgemacht?

Jetzt habe ich nicht mehr 800 PS unter der Haube, sondern etwa 480. Das Auto ist viel schwerer, ich sitze nah an der Hinterachse, und bei den Tests teilen sich zwei Fahrer bei uns einen Opel. Es geht richtig familiär zu.

War nicht Ihr erster Eindruck im DTM-Rennauto, als würden Sie mit Ihrem Privatwagen den Formel-1-Kurs in Monte Carlo umrunden?

Das ist doch sehr übertrieben. Nach fünf Runden bei den Tests in Estoril hatte ich den Eindruck, nie etwas anderes gefahren zu sein.

Das hört sich an, als hätten Sie das nicht erwartet?

Ich war skeptisch, ob mir das Spaß machen würde. Jetzt bin ich begeistert.

Sie hätten auch aufhören können, müssen Sie noch etwas für die Rente tun?

Ich wurde ja schon als der Rentner in der Formel 1 bezeichnet. Wenn schon Rentner, dann bin ich ein agiler Rentner.

Worin liegt denn nun der Reiz in der DTM?

Bei Opel habe ich ein Team vorgefunden, das absolut auf Siege orientiert ist. Das hat mich gereizt, auch dass ein Werk dahinter steht …

Schön, das wäre bei anderen auch nicht anders gewesen …

Sicherlich, also bleiben wir bei der DTM generell, da ist eben vieles einfacher. Diese Serie kommt ohne die vielen elektronischen Hilfen dem Ursprung des Motorsports wieder ein Stück näher.

Rückentwicklung kann doch nicht der Weg sein?

Es ist ja keine Rückentwicklung, sondern für mich eine neue Herausforderung. Ich war an dem Punkt, wo ich das brauchte.

Was wäre für Sie die Alternative in der Formel 1 gewesen?

Ein neuer Vertrag bei keinem Top-Team, und wieder eine Menge Entwicklungsarbeit ohne Chance auf den großen Erfolg. Das wollte ich nicht mehr. Das Angebot von Jordan hatte ich.

Ist der Wechsel in die DTM für Sie ein Abstieg?

Es gibt nach der Formel 1 keinen Aufstieg.

Können Sie sich noch an den 12. September 1999 erinnern?

Da kann nur der Grand Prix in Monza gewesen sein, den habe ich damals gewonnen.

Es war Ihr letzter Sieg überhaupt …

Stimmt, lange her. Es wird mal wieder Zeit.

Hat die Sieglosigkeit Ihren Wechsel beeinflusst?

In der Formel 1 wird man manchmal auch sehr gut dafür bezahlt, wenn man nur Punkte für das Team einfährt.

Aber die Öffentlichkeit spricht meist nur über Sieger …

Ja, das ist nicht gerecht. Ich bin unter Wert geschlagen worden, was auch auf Opel in der DTM zutrifft.

Glauben Sie die DTM-Stars schon in dieser Saison bezwingen zu können?

Mit einer Prognose halte ich mich lieber noch zurück.

Die Formel 1 hat sich enorm entwickelt, nicht immer zum Positiven. Was würden Sie sofort ändern?

Ich würde die kleinen Teams viel mehr unterstützen und auch die Tests stark reduzieren. Es wird einfach zu viel Geld ausgegeben.

Ist die Formel 1 heutzutage nicht völlig abgehoben, viele sagen, sie habe sich von den Fans entfernt?

Motorsport ist für die Allgemeinheit da. Die Formel 1 hat sich über die Jahre anders entwickelt. Sie ist ein introvertierter Haufen. Das ist die Philosophie von Bernie Ecclestone.

Damit haben Sie ja nun nichts mehr zu tun.

Komisch, wie der Abstand da ist. Früher hat mich auch nie jemand gefragt, ob ich Saunagänger bin. Wer weiß, was in diesem Jahr noch kommt.

Das Interview führte Hartmut Moheit.

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