Sport : Ein Bayer für Bayer

Klaus Augenthaler ist neuer Trainer in Leverkusen

Erik Eggers

Leverkusen. Es wirkte fast so, als wollten die Verantwortlichen der Fußball-GmbH in Leverkusen die vorerst letzte Etappe in den unverhofften Untergang, die Präsentation ihres neuen Cheftrainers Klaus Augenthaler, wenigstens gemeinsam bestreiten. Es kam nicht nur Ilja Kaenzig, den sie hier den Manager nennen, der aber nichts sagen wollte. Anwesend war auch Sportdirektor Jürgen Kohler, der endlich, weil er den Deal eingefädelt hatte, mit Stolz davon berichten konnte, was er bisher so getrieben hat in Leverkusen. Und auch Reiner Calmund, Geschäftsführer der von Krisen geschüttelten Fußball-GmbH, ließ sich den womöglich letzten größeren Auftritt nicht nehmen. Es sollte nicht erneut in jener babylonischen Sprachverwirrung enden, mit der sie in den vergangenen Wochen allgemeine Belustigung ausgelöst hatten. Kurz bevor dieses Drama in 34 Akten also zu Ende geht, schienen die Leverkusener also doch noch einmal Gemeinsamkeit demonstrieren zu wollen.

Demnächst tritt also Klaus Augenthaler auf in diesem Theater. Der Weltmeister von 1990 soll dem angeschlagenen Kader endlich wieder Hoffnung vermitteln im Kampf gegen den Abstieg. Jene Hoffnung, die der geschasste Vorgänger Thomas Hörster nicht mehr vermitteln konnte nach der desaströsen 1:4-Niederlage in Hamburg, nach der er zugab: „Ich habe aufgegeben.“ Das war der Grund, warum die Klubführung sich noch einmal zum Handeln gezwungen fühlte und nach Klaus Toppmöller und Thomas Hörster den dritten Trainer dieser Saison präsentierte.

Die Verpflichtung Augenthalers ist eine kleine Sensation. Schließlich stand der Coach nach seiner Beurlaubung in Nürnberg noch unter Vertrag. Eigentlich war es geplant, ließ Calmund wissen, Augenthaler erst zur nächsten Saison zu verpflichten. Gemeinsam mit Kohler und Kaenzig hatte der neue Coach bereits vor Wochen in München ein „konzeptionelles Gespräch“ geführt, ob vor oder nach seiner Entlassung beim 1. FC Nürnberg, das blieb offen. Doch schließlich stimmte der Nürnberger Präsident Michael A. Roth der vorzeitigen Vertragsaufhebung am Montag zu. Das ist zwar pikant, weil Bayer am letzten Spieltag der Saison zu den dann wohl bereits abgestiegenen Franken reisen muss, spart Nürnberg aber vermutlich ein paar Euro Abfindung. Augenthaler sagte: „Ich wollte dem Club nicht länger auf der Tasche liegen.“

Eigentlich wollte der neue Trainer seinen bis Juni 2004 laufenden Vertrag erst im Juli antreten. „Aber wenn es sein muss, bin ich da.“ Der 45-Jährige kann der Situation mit einiger Gelassenheit begegnen. Steigt der Vizemeister des Vorjahres ab, wird ihn keiner dafür verantwortlich machen. Bleibt die Mannschaft in der Liga, kann er sich als Wunderheiler feiern. Verlieren kann er jedenfalls wenig in den letzten beiden Spielen, auch wenn er im Falle eines Misserfolges mit dem Ruf leben müsste, in einer Saison gleich mit zwei Mannschaften abgestiegen zu sein: mit Nürnberg und Leverkusen.

Eines stellte Augenthaler sofort unter Beweis: dass er die Rhetorik im Abstiegskampf besser beherrscht als sein Vorgänger. „Wenn ich nicht denken würde, dass die Qualität der Mannschaft für sechs Punkte aus den letzten beiden Spielen reicht, wäre ich nicht hier“, sagte er. Und dass er auch als Spieler „nie aufgegeben“ habe. Der „absolute Wunschkandidat“ des Sportdirektors Jürgen Kohlers will nun erst einmal Ruhe in die Mannschaft einkehren lassen. „Panikmache bringt nichts in einer solchen Situation.“ Und arbeiten. „Vom Reden ist noch keiner besser geworden“, sagte Augenthaler. Das ist ein Satz, der in Leverkusen in dieser Saison schon öfter zu hören war.

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