Sport : Ein beispielloser Crash - doch Heiner Brand übt sich in Optimismus

Die deutschen Aktien sind an der europäischen Handball-Börse innerhalb einer Woche ins Bodenlose gefallen. Nicht nur der Ruf von Bundestrainer Heiner Brand hat auf dem Balkan vor dem heutigen bedeutungslosen Europameisterschafts-Spiel der DHB-Auswahl um Platz neun gegen Dänemark Schaden genommen. Der Markt- und Nennwert des Bronzemedaillen-Gewinners von 1998 zum Börsenschluss der EM in Kroatien ist fast auf Null gesunken. Mehr noch: Die direkte Qualifikation für die WM 2001 und die EM 2002 ist verspielt.

"Mir war die Gefahr bewusst, die dieses Turnier birgt. Aber die Mannschaft ist so stabil, dass sie die Misserfolge schnell verdrängen kann. Dafür hat sie zu viele positive Erlebnisse gehabt", bilanzierte Brand nach zwei Unentschieden und der dritten Niederlage beim 25:27 gegen den Halbfinalisten Spanien. Am Sonntag werden die WM-Playoffs in Zagreb ausgelost, bei der im K.-o.-System gegen potenzielle Gegner wie Jugoslawien, Ungarn, Polen, Schweiz, Tschechien oder Mazedonien weiterer Absturz droht. Schweden - Spanien und Frankreich - Russland lauten die EM-Halbfinals, dem DHB droht das schlechteste Abschneiden.

Acht Monate vor dem Olympia-Start in Sydney hat die Auswahl einen in der Geschichte des Deutschen Handball-Bundes (DHB) beispiellosen Crash hingelegt - die Bundesliga muss einen in seiner Dimension noch nicht absehbaren Flurschaden befürchten. Immerhin ist der in einstelliger Millionenhöhe verschuldete größte Handball-Fachverband der Welt laut Präsident Uli Strombach mit Sponsorenverträgen zumindest kurzfristig abgesichert, um dem wachsenden Desinteresse am Handball zumindest finanziell vorbeugen zu können. Brands Position scheint ebenso unumstritten zu sein wie die der Spieler, die mangels Konkurrenz wohl nicht um ihre Olympia-Tickets fürchten müssen.

Das Team habe unter der kurzen Vorbereitung und den vielen Verletzungen gelitten. Doch Manager Fynn Holpert vom TBV Lemgo, der mit den angeschlagenen Volker Zerbe, Daniel Stephan und Florian Kehrmann gleich drei "Loser" stellt, warnte: "Die Fans sind fassungslos. Der Imageschaden noch gar nicht absehbar." Brand wirkte trotz des Sturzfluges erstaunlich gelassen. "Die Mannschaft weiß, was sie kann und ist besser, als das Ergebnis aussagt", so der 46-Jährige. 52 ausländische Bundesliga-Stars haben in Kroatien jedoch das deutsche Argument widerlegt, Überbeanspruchung sei der Grund für den Einbruch. Der Grat ist schmal, auf dem Brand seine Hoffnung zur schnellen "Rekonvaleszenz des Patienten" bis Olympia baut.

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