Sport : Ein bisschen Diktatur

Die Eisschnellläufer streiten über das Training

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Eisige Unruhe. Tobias Schneider liegt im Clinch mit dem Chef-Bundestrainer. Foto: dpa
Eisige Unruhe. Tobias Schneider liegt im Clinch mit dem Chef-Bundestrainer. Foto: dpaFoto: dpa

Berlin - Tobias Schneider hat die Entschuldigung angenommen, das ist doch schon was. Damit streiten sie in Zukunft bei den Eisschnellläufern ein bisschen weniger heftig als bisher. Markus Eicher, als Bundestrainer zuständig für Frauen und Männer, hat sich dafür entschuldigt, dass nun jeder weiß, dass Schneider zahlen musste. Eine Geldstrafe hatte Eicher verhängt, weil der Mehrkämpfer Schneider seine Trainingsdaten nicht exakt genug notiert hatte. Und weil er „wegen der Querelen im Team sehr dünnhäutig geworden ist“, teilte Eicher bei der Mehrkampf-EM in Klobenstein allen mit.

Querelen im Team, eine nette Umschreibung für einen Glaubenskrieg um Trainingslehre. Grob gesagt, geht es um das System Eicher und das System Schouten. Bart Schouten war bis zur Saison 2010/2011 Männer-Bundestrainer, ein Holländer, der als Coach schon früher spektakuläre Erfolge hatte. Er konzentrierte seine Athleten in Berlin, ließ sie viel Shorttrack trainieren und hatte seine eigenen Methoden. Aber Schouten war zu weich, jedenfalls sagt Eicher das. Der frühere Frauen-Bundestrainer Eicher hatte vor der Saison deshalb auch das Männerressort übernommen. „Einige haben es sich zu bequem eingerichtet“, sagte Eicher in Klobenstein. „Im Prinzip haben wir eine gewisse Diktatur eingeführt.“ Und Eicher zwang nicht bloß Schneider unter die neue Diktatur.

Schneider steht eher für die Schouten-Schule. Zumindest sagt er, man möge doch bitte die Dinge, die Schouten gut gemacht habe, ins neue System übernehmen. „Aber wir haben eine Schwarz- Weiß-Malerei.“ Von Schouten werde quasi nichts übernommen. Der frühere Coach habe sich den neuen Bedingungen der Sportart angepasst. „Die Grundgeschwindigkeiten sind höher geworden, auch über 5000 Meter wird schneller gelaufen als früher“, sagt Schneider. Deshalb habe Schouten viel Shorttrack-Übungen angesetzt. „Da kann man sehr gut Kurventechnik trainieren.“ Andere Nationen machten dies ja auch. Jetzt trainiere man so gut wie nicht mehr Shorttrack. „Jetzt wird der Schwerpunkt viel mehr auf Grundlage und Ausdauer gelegt“, sagt Schneider.

Unter Schouten freilich haben die deutschen Männer bei den Olympischen Spielen 2010 bescheiden abgeschnitten. Ja klar, sagt Schneider, denn „die Fehler wurden schon in der Vorbereitung auf Olympia gemacht“. Der Verband habe Schouten so oft reingeredet, „dass dessen Handschrift zum Schluss nicht mehr erkennbar war“. Der Holländer trainiert jetzt in Kanada.

Andererseits: Schneider ist in der schwächeren Position, er ist Athlet, er hat sich an Anweisungen zu halten. Außerdem landete er bei der EM auf dem schwachen Platz 21. „Da kann ich jetzt keine Forderungen stellen“, räumt er ein. Aber eigentlich war „die EM in meiner Saisonplanung gar nicht vorgesehen“. Er sei nur gestartet, weil in der nationalen Qualifikation die Konkurrenz noch schwächer gewesen sei als er.

Aber Eicher ist nicht bloß wegen der Trainingsdaten sauer auf Schneider. Der Student für „International Management“ hatte von März bis Juli 2010 ein Auslandssemester in London absolviert. Schouten habe das abgesegnet, sagt Schneider, aber Eicher war wohl not amused. Obwohl Schneider, wie er sagt, sein ganzes Trainingsprogramm abgespult habe.

Schneider will jetzt den ganzen Streit abhaken, es muss ja weitergehen. Außerdem seien „alle Beteiligten Männer“, da werde nicht kleinlich herumgestritten. Im März findet nämlich auch noch die WM statt, in Inzell, für Schneider das Saison-Highlight. Bis dahin, sagt er, werde er in Bestform kommen.

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