Sport : Ein bisschen Frieden

Audi und Mercedes hoffen auf ein faires DTM-Finale

Hockenheim - Vor dem letzten und entscheidenden Rennen der Deutschen Tourenwagen-Masters (DTM) auf dem Hockenheimring (Sonntag, 14 Uhr/ARD) sind die Kontrahenten von Mercedes und Audi um Abkühlung bemüht. Ein bisschen Frieden zum Finale einer umkämpften Saison soll es sein. „Alle Zuschauer und alle Beteiligten haben ein hartes, aber faires Finale verdient“, sagte Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug nach dem Eklat beim vorangegangenen Rennen in Barcelona. Sein Kollege Wolfgang Ullrich bei Audi pflichtete ihm bei: „Ich hoffe, dass wir fair gegeneinander kämpfen können und den Meister sauber ausfahren – in einer Art und Weise, wie wir den Tourenwagen-Sport verstehen.“

Sportliches und faires Verhalten war bei der DTM in dieser Saison bisweilen auf der Strecke geblieben. Höhepunkt: der Lauf am 23. September in Barcelona. Die Mercedes-Piloten Mika Häkkinen und Daniel la Rosa beförderten die Audi-Titelkandidaten Mattias Ekström und Martin Tomczyk mit umstrittenen Aktionen aus dem Rennen. Daraufhin beorderte Ullrich acht Runden vor dem Ende sämtliche Fahrer seiner Marke in die Box zurück und warf dem Kontrahenten vor, seine Spitzenfahrer vorsätzlich von der Strecke gerempelt zu haben. Häkkinen und la Rosa wurden später bestraft.

Allerdings trug auch Audi seinen Teil dazu bei, das Image der DTM zu beschädigen. Vor allem mit der Stallorder beim Rennen in Zandvoort hatten sich die Ingolstädter zuvor bereits harsche Kritik eingehandelt. Damals durfte Tomczyk auf Geheiß von oben siegen. Auch Ekström bekam Platz drei geschenkt. Mercedes-Motorsportchef Haug monierte die überharten Fahrmanöver einiger Audi- Piloten.

Die Zuschauer indes scheinen die Grabenkämpfe eher anzuziehen als abzuschrecken. Laut Veranstalter wurden für den Saisonabschluss in Hockenheim 65 000 Tickets allein im Vorverkauf abgesetzt. Immerhin erwartet die Fans eines der spannendsten Finals der DTM-Geschichte. Wie in der Formel 1 haben noch drei Fahrer Chancen auf den Titel: Der Schwede Ekström, der bereits beim Saisonauftakt an gleicher Stätte siegte, führt die Gesamtwertung mit 44 Punkten an. Bruno Spengler ist mit nur zwei Punkten weniger Zweiter und kann Mercedes im 300. DTM-Rennen der Marke den sechsten Titel in den vergangenen acht Jahren bescheren. Ekströms Teamkollege Tomczyk hat 40 Zähler auf seinem Konto und liegt ebenfalls noch aussichtsreich im Rennen. Die beste Ausgangsposition beim Abschlusstraining am Samstag hat sich Ekström gesichert. Der Schwede wird als Dritter starten, in der dritten Startreihe stehen Tomczyk und Spengler direkt nebeneinander. An erneute Crashs glaubt Tomczyk trotz dieser brisanten Konstellation nicht. „Wir alle sind professionell genug, um damit umzugehen, dass wir alle drei siegen können“, sagte Tomczyk. Zur Sicherheit hat Audi-Chef Ullrich seine Piloten vor dem Showdown aber noch einmal in versammelter Stärke zu einer umfassenden Strategiebesprechung gebeten.

Trotz der Reibereien in dieser Saison ist die Zukunft der DTM zumindest vorerst gesichert. Die ARD wird im nächsten Jahr die dann auf elf Rennen erweiterte Serie wie bisher übertragen. Mercedes und Audi haben sich bereits im September für die kommende Saison eingeschrieben. Wie es nach 2008 weitergeht, ist hingegen offen.

Eine dritte Marke – seit dem Ausstieg von Opel 2005 sind Mercedes und Audi unter sich – ist weiterhin nicht in Sicht. „Es gibt Hersteller, die großes Interesse haben“, erklärte Hans Werner Aufrecht, Vorstand des DTM-Veranstalters ITR. Angeblich war zuletzt Toyota an einem Einstieg interessiert. Mittlerweile denken die Japaner aber über eine Teilnahme an der Tourenwagen-WM nach. Eine Entscheidung werde nicht von heute auf morgen fallen, verkündete Aufrecht: „Die DTM funktioniert auch mit zwei Herstellern hervorragend.“ dpa/chh

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