Sport : Ein bisschen Frieden

Nach dem Abgang von Michael Stich sucht das Daviscup-Team nach Zusammenhalt

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Von Oliver Trust

Karlsruhe. Der Neuanfang im deutschen Tennis soll offenbar von einem Strahlen begleitet werden. Derart penetrant wird bei der Auslosung zur Daviscup-Abstiegspartie Deutschlands gegen Venezuela von Freitag bis Sonntag in Karlsruhe überall gelächelt. Thomas Haas, die Nummer zwei der Welt im Champions Race, lächelt, der neue Teamkapitän Patrik Kühnen lächelt, selbst die Funktionäre des Deutschen Tennis Bundes (DTB) lächeln. Und alle sagen, der 36 Jahre alte Patrik Kühnen soll als Teamchef erhalten bleiben, obwohl er erst seit elf Tagen im Amt ist und zunächst als Notlösung galt. „Wir werden das unterstützen“, sagt Haas für die Spieler. „Ich stehe zur Verfügung“, sagt Kühnen und in Hamburg ist DTB-Präsident Georg von Waldenfels bereits mit dem konkreten Vertragsentwurf beschäftigt. Kühnen soll eine Anstellung für zwei Jahre bekommen.

Nach all den Streitereien um den entlassenen Michael Stich spürt DTB-Sportwart Rolf Schmid nun gar „eine Aufbruchstimmung“, die den mit zehn Millionen Euro verschuldeten Verband mit seiner Mannschaft wieder an die Spitze tragen könnte. „Es gibt Überlegungen, das Team über Jahre zusammenzuhalten und in zwei bis drei Jahren wieder den Daviscup zu gewinnen“, sagt Haas. „Es gibt das Gefühl des Neuanfangs bei allen.“

Ein bisschen Frieden täte wohl allen im Verband nach den Machtkämpfen der Altstars wie Stich und Boris Becker gut. Vor allem am Teamgeist und am Verhältnis zwischen Teamchef und Mannschaft hatte es gekrankt. „Es ist wieder so, dass die Spieler die wichtigste Rolle spielen“, sagt Haas. Bei Stich sei das anders gewesen. „Er hat einiges nicht richtig gemacht. Kapitän zu sein, ist ein Fulltimejob. Kühnen wird bei allen großen Turnieren sein, um die Spieler zu begleiten und zu beobachten. Er spricht sehr viel mit uns."

Kühnens Gespräche mit den Spielern führten zur „einvernehmlichen Lösung“ bei der Aufstellung. Rainer Schüttler wird das erste Einzel am Freitag (12 Uhr) gegen Jose de Armas bestreiten. Haas folgt gegen Jimmy Szymanski. Für den Samstag bietet Kühnen das Doppel Nicolas Kiefer und David Prinosil auf, die sich mit Armas und Szymanski auseinandersetzen. „Die beiden passen gut zusammen. Ich hoffe, sie spielen künftig auch bei Turnieren zusammen“, sagte Kühnen. Nach dem Doppel müsste die Partie eigentlich entscheiden sein. Und mancher erwartet gegen die Südamerikaner ein glattes 5:0, wenn Haas gegen Armas und Prinosil gegen Szymanski gespielt haben. „Wir fühlen uns wegen all der Geschichten nicht mehr unter Druck", sagte Haas.

Vielleicht wäre es bei allen Problemen, die der Verband gehabt habe, besser gewesen, früher auf die Signale aus der Mannschaft zu reagieren. Als Wende beim Verband wertet Haas, dass sein Physiotherapeut Jürgen Dess „diese Woche für alle unsere Spieler verantwortlich ist, denn er kennt jeden“. Vor Monaten hatte sich Haas mit DTB-Chef von Waldenfels einen erbitterten Streit geliefert, weil der DTB Dess nicht engagieren wollte und die Honorarforderungen von rund 100000 Mark für eine ganze Saison nicht tragen wollte. „Es scheint so, als habe sich dieser Streit gelohnt“, sagte Haas.

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