Sport : Ein bisschen Kahn muss sein

Stefan Hermanns

über den Ärger des deutschen Nationaltorhüters Man kann wohl nicht davon ausgehen, dass Oliver Kahn den Confed-Cup als besonders amüsante Veranstaltung in Erinnerung behalten wird. Von fünf möglichen Spielen hat er nur zwei bestreiten dürfen, und die leider auch nicht gegen die ihm standesgemäßen Gegner Brasilien und Argentinien, sondern gegen – Mexiko und Australien. Alle Achtung! Kahn hat das nicht davon abgehalten, insgesamt sechs Gegentore zu kassieren, doppelt so viele wie vor drei Jahren bei der Weltmeisterschaft in sieben Spielen.

Man kann auch nicht davon ausgehen, dass Oliver Kahn die Nationalmannschaft zurzeit besonders viel Spaß bereitet. Das Publikum mag sich am offensiven Spiel erfreuen, Kahn aber fleht öffentlich nach mehr Sicherheit. Kamikaze-Fußball hätten die Deutschen gegen Mexiko gespielt. Mit dieser Kritik ist der Torhüter das retardierende Moment im deutschen Spiel, die letzte Verbindung zur völlerschen Vergangenheit, als der Sinn des Spiels noch darin bestand, ein Tor weniger zu kassieren als der Gegner, am besten aber gar keins. Das ist und bleibt Kahns Vorstellungswelt. (Ironischerweise ist Kahn selbst inzwischen die beste Versicherung dagegen, dass der Ball dauernd zum Torhüter zurückgespielt wird. Seine Kollegen haben längst registriert, dass das Spiel nach einem Rückpass auf den Rumpelfüßler Kahn regelmäßig mit einem Einwurf für den Gegner fortgesetzt wird.)

Elf Monate sind es noch bis zur WM, und diese elf Monate werden zeigen, wie viel Einfluss der einst allmächtige Kahn noch besitzt. Allzu großen Illusionen sollte er sich nicht hergeben. Kahns Kritik an der offensiven Spielweise der Nationalmannschaft trifft die Kompetenz des Bundestrainers in ihrem Kern – weil der Bundestrainer gerade nichts anderes will als dieses offensive Spiel. Wer Klinsmanns Weg aber nicht mitgehen will, muss sich nicht wundern, wenn Klinsmann ihn irgendwann auch gar nicht mehr mitnehmen will.

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