Sport : Ein bisschen Schwindel

Helen Ruwald

Am Donnerstag klingelte bei Marko Pesic ständig das Telefon. Seine Kölner Kumpels riefen den Basketball-Nationalspieler von Alba Berlin an und erkundigten sich nach seinem Gesundheitszustand, zweieinhalb Wochen nachdem er sich beim Euroleaguespiel in Istanbul die Schulter ausgekugelt und einen Muskeleinriss zugezogen hatte. Allerdings waren die Anrufer Drazan Tomic, Sasa Obradovic und Stephen Arigbabu allenfalls ein wenig besorgt und mitfühlend. Sie wollten Pesic, mit dem sie einst bei Alba spielten, aushorchen und herausfinden, ob er heute im Bundesligaspiel gegen ihren neuen Klub Rhein Energy Cologne auflaufen würde. "Ich habe ihnen gesagt, dass ich nicht spielen kann. Sie sollen ohne mich planen", sagt der 24-Jährige.

Ein bisschen geschwindelt hat er allerdings, aus taktischen Erwägungen. Köln soll sich in Sicherheit wiegen und überrascht sein, wenn Albas Nummer 7 plötzlich doch im Trikot statt in Jeans in der Max-Schmeling-Halle erscheint. Pesic weiß nämlich selbst noch gar nicht, ob er antreten kann. Am Donnerstag trainierte er erstmals mit der Mannschaft, doch am Tag nach dem Sieg gegen Wroclaw (75:64) war das Training nicht sonderlich intensiv. Den eigentlichen Härtetest absolvierte der Aufbauspieler erst gestern Abend. "Wenn die Schulter hält und ich nachts keine Schmerzen habe, werde ich mich mit dem Trainer zusammensetzen und wir werden überlegen, was wir machen."

Es wäre eine ziemlich schnelle Genesung. Nach dem Spiel in Istanbul hatte Pesic starke Schmerzen, er konnte zunächst seinen Arm nicht einmal mehr anheben. Geschweige denn Basketball spielen. Aber jetzt soll es, bitte, wieder gehen. Schließlich ist Köln nicht irgendein Gegner, mit all den Ex-Berlinern und mit Markos Vater Svetislav Pesic als Trainer. Den würde der Sohn gerne besiegen, wenn es schon bei der Euroapmeisterschaft in der Türkei nicht geklappt hat. Nach großem Kampf unterlag die deutsche Nationalmannschaft dem von Pesic trainierten jugoslawischen Team. Vater Pesic hatte seinen Sohn damals bedrängt, gar nicht an der EM teilzunehmen. Nach einem kurz zuvor erlittenen doppelten Bänderriss im Fuß komme der Einsatz zu früh, meinte Svetislav Pesic. Doch der Nationalspieler hielt sich nicht an den Rat. Er wurde gerade noch rechtzeitig fit und spielte eine gute EM.

Auch diesmal hat Svetislav Pesic mit seinem Sohn telefoniert und sich nach der lädierten Schulter erkundigt. Als besorgter Vater, nicht als Coach des Gegners. Pesic junior hat Pesic senior die Wahrheit gesagt, ihm verraten, dass sein Einsatz ungewiss ist. Ob das Verwirrspiel, das Marko Pesic mit den Kölner Spielern treiben wollte, aufgeht, ist nun natürlich fraglich. Schließlich ist davon auszugehen, dass der Kölner Trainer mit seinen Akteuren kommuniziert und ihnen den möglichen Einsatz eines Leistungsträgers nicht verschweigt. Aber Marko Pesic sah keine andere Möglichkeit, als die Wahrheit zu sagen. "Seinen Vater belügt man nicht." Auch nicht aus taktischen Gründen.

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