Sport : Ein bisschen Skonto

Italiens Fußballskandal findet ein mildes Ende

Vincenzo Delle Donne[Rom]

Die Schiedskommission des Nationalen Olympischen Komitees (NOK) hat am Freitagabend im Stadio Olimpico von Rom einen gnädigen Schlussstrich unter den größten Fußballskandal der Geschichte gezogen. Nach dem Gang durch drei Instanzen ist als Strafe für die Täter nur eine gut gemeinte Watsche übrig geblieben. Das exemplarisch harte Urteil der ersten Instanz mutierte so zu einer Teilamnestie. Die Schiedskommission bestätigte zwar für Juventus Turin den Zwangsabstieg in die Zweite Liga, reduzierte aber die Strafpunkte für die laufende Saison auf neun Punkte. Skonto erhielt auch Erstligist Lazio Rom, der mit einem Handicap von drei Punkten startet. Dem AC Florenz erließ das Schiedsgericht lediglich vier der insgesamt 19 Strafpunkte. Keinen Nachlass gab es für den AC Mailand. Dabei waren dessen Emissäre am forschesten aufgetreten. „Wir wollen die Streichung sämtlicher Strafen und wollen auch die Anerkennung des Meistertitels 2005/2006“, tönte Milans Präsident Silvio Berlusconi. „Den Klub trifft keine objektive Schuld!“ Die Manipulationen und Bestechung für Milan besorgte tatsächlich ein Vereinsfremder.

Juventus Turin sieht seine Bemühungen, die vereinsinternen Manipulateure vor die Tür gesetzt zu haben, wenigstens ein bisschen belohnt. In erster Instanz waren sie noch zu 30 Strafpunkten verurteilt worden, zuletzt waren es 17. Weder Juve noch Lazio wollen nun die ordentlichen Gerichte bemühen. Auch Milan und der AC Florenz werden wohl davon absehen.

So nachgiebig wie die Justiz sind die italienischen Zuschauer jedoch nicht. Das Publikum ist von den skandalösen Machenschaften angewidert und bleibt den Stadien fern. Die Spiele der Serie A finden bestenfalls vor halbleeren Rängen statt, und die Klub- und Verbandsfunktionäre schauen untätig zu. Offenbar fehlt ihnen der Wille, den Neubeginn einzuleiten. Resigniert warf beispielsweise der letzte kommissarische Verbandspräsident Guido Rossi das Handtuch. Der italienische Fußball sei nicht zu reformieren, bekannte er enttäuscht, zu groß seien die Widerstände der Funktionäre, der Politik- Chargen und der Wirtschaftsbosse.

Hätte man bloß auf Arrigo Sacchi gehört. Der ehemalige Meistertrainer des AC Mailand machte einen ebenso radikalen wie kühnen Vorschlag: Es wäre besser gewesen, wenn der italienische Fußball sich im Ganzen eine einjährige Auszeit verpasst hätte. Sacchi prophezeit jetzt düster: „Die Manipulationen in der Welt des Fußballs werden weitergehen.“ Der frühere Nationalspieler Marco Tardelli, der jetzt im Verwaltungsrat von Juventus sitzt, fügte hinzu: „Es ist alles wie früher. Man hat eine Gelegenheit vertan, reinen Tisch zu machen!“

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