Sport : Ein bisschen Spaß darf sein Wie Hertha BSC mit der

sportlichen Krise umgeht

Klaus Rocca

Berlin. Christian Fiedler war höchst unzufrieden. „Lui, der darf doch nicht schon wieder flanken“, rief der Ersatztorhüter von Hertha BSC laut über den Platz. Lui, das war der brasilianische Stürmer Luizao, der nach Fiedlers Ansicht beim Training seinen Abwehraufgaben nicht nachgekommen war. Trotz aller Vehemenz und Lautstärke mochte Fiedler seine Kritik nicht als Fortsetzung dessen verstanden wissen, was sich am Sonntag beim Duell des Berliner Fußball-Bundesligisten mit dem HSV abgespielt hatte. Da hatte Torhüter Gabor Kiraly seinen Vordermann Alexander Madlung angeschrien, da hatten sich Fredi Bobic und Andreas Neuendorf ein hitziges Wortgefecht geliefert.

Hat die sportliche Krise zu Zerwürfnissen unter den Spielern geführt? Dieter Hoeneß winkt ab. Der Manager spricht von „guten Signalen, das zeigt mir doch, dass die Mannschaft lebt, dass sie sich aufbäumt“. Und als er gestern beim Training auftauchte, konnte er sich auch davon überzeugen, dass bei aller Verbissenheit auch noch gelacht wird. Als Neuendorf und Madlung bei den gymnastischen Übungen einmal nicht, wie gefordert, in entgegengesetzte Richtungen, sondern parallel liefen, gab es großes Gelächter. Für Sekunden wich die Anspannung.

Spaß soll das Training machen, sagt Huub Stevens. „Wenn es das nicht mehr macht, würde ich aufhören.“ In diesen Tagen dürfte der Spaßfaktor eher gering sein. „Die Sorgen werden nicht weniger“, sagt Stevens und spricht von der mühevollen Rehabilitation des Brasilianers Marcelinho, ohne den bei Hertha nun mal nichts läuft. Nach seinem Fußbruch versucht sich Marcelinho in der Rehaklinik schon wieder auf dem Laufband. Bis er in den Kreis seiner Teamkollegen zurückkehrt, wird noch einige Zeit vergehen. Marcelinho hat sich ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: Am 18. Oktober will er im Heimspiel gegen Bayer Leverkusen wieder dabei sein.

Marcelinho ist nicht der einzige Problemfall. Dick van Burik, an der Wade verletzt, fehlte weiterhin beim Training. Marko Rehmer klagt über Schmerzen in der Schulter, Andreas Neuendorf plagt sich mit Adduktorenbeschwerden, Pal Dardai mit einer Sprunggelenksverletzung. Am Sonnabend, im Spiel beim Deutschen Meister Bayern München, wollen alle wieder dabei sein. Zur angemessenen Vorbereitung hatte sich jeder Herthaner gestern Abend vor dem Fernseher einzufinden, zwecks Beobachtung der Bayern beim Champions-League-Spiel in Anderlecht. „So professionell sollte jeder sein“, sagt Stevens. Über die eigenen Champions- League-Ambitionen mag bei Hertha derzeit niemand mehr reden. „Wir sind doch nicht weltfremd“, sagt Manager Hoeneß.

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