Sport : Ein bisschen Tennis

Anke Huber hatte mit ihrem Sport abgeschlossen, jetzt organisiert sie das Turnier in Filderstadt

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Von Oliver Trust

Filderstadt. Manchmal sieht sie in ihrem Büro noch etwas verloren aus. Sie fragt da und dort und nickt mit dem Kopf. „Ich muss viel lernen. Ich muss mich einarbeiten.“ Auf dem Tisch liegt ein Stapel Papiere. An ihr Ohr hält sie ein Funksprechgerät, und dazu klingelt das Handy. Anke Huber verdreht die Augen und lächelt dazu. Seit dieser Woche ist sie Turnierdirektorin in Filderstadt beim Porsche Grand Prix. Genauer „Operation Tournt Director“, zuständig für Spielpläne, Spielerbetreuung und Organisation.

Komisch sei es, sagt die zweimalige Gewinnerin des Turniers, „wenn man morgens aufwacht und denkt, man muss zum Training, aber das ist ja nicht mehr“. Jetzt läuft sie nicht mal mehr jeden Tag im Trainingsanzug durch den Wald. Es ist eine neue Welt – mit 27 Jahren. Die trotzige Botschaft, sie wolle nichts mehr mit Tennis zu tun haben, steht nur noch in Archiven, sie selbst hat ihre Meinung geändert. Eine Woche hat sie überlegt und dann zugesagt. „Ich habe mich gefragt, warum hast du dich die letzten 20 Jahre damit befasst, wenn du es jetzt steckst?“

Nirgendwo sonst hätte sie es gemacht, nur in Filderstadt, bei dem Turnier, das schon fast penetrant mit seiner familiären Atmosphäre prahlt. Das alles passt auch zu den Plänen der 27-Jährigen, ihre Wahlheimat Salzburg zu verlassen und demnächst nach Deutschland zurückzukehren. Nach Heidelberg oder in die Nähe werde sie wohl ziehen. „Alles, was da kommt, wird sich in Deutschland abspielen“, sagt sie. Der neue Job vor den Toren Stuttgarts und auch ihr Nachwuchsprojekt für 14- bis 16-Jährige.

Aber Anke Huber hat erfahren, wie träge und schwerfällig der Deutsche Tennis-Bund (DTB) geworden ist und wie sehr es nach fetten Jahren an Geld mangelt. Huber sieht dringenden Handlungsbedarf, „weil das deutsche Frauentennis nicht gerade auf dem Höhenflug ist". Aber eines nach dem anderen, sagt sie. Eine neue Steffi Graf wird auch Anke Huber nicht herbeizaubern können.

Dem Turnierdirektor Udo Cervellini reicht vorerst ihr bloßes Erscheinen. „Sie ist die Idealbesetzung“, sagt er. „Sie passt da rein, ohne sich auch nur eine Nuance ändern zu müssen.“ Anke Huber lächelt. Und sie ist etwas verlegen. „Ich bin kein Medienmensch“, sagt sie, als ob das nicht alle wüssten. Nach vier Wochen Praktikum beim Südwestrundfunk während der French Open habe sie endgültig begriffen, „das ist nichts für mich“. Medienarbeit gehört auch zu ihrer neuen Aufgabe, aber eben nicht nur.

Wie lange Huber das Turnier in Filderstadt organisieren wird, steht noch nicht fest. Erst einmal ein Jahr, aber sie kann sich vorstellen, das auch vier oder fünf Jahre zu machen. Mehr als 50 Prozent ihres Arbeitsalltags aber sollen weder Filderstadt noch die Nachwuchsarbeit beim DTB einnehmen. Sie ist durch Australien und Südafrika gereist und hat ein paar Monate ausgespannt. Wenn morgens das seltsame Gefühl entsteht, sie müsse gleich zum Training, geht Anke Huber lieber Freunde besuchen oder fährt zu ihren Eltern nach Karlsdorf.

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