Sport : Ein bisschen Unendlichkeit

Horst Heldt wird beim VfB Stuttgart noch gebraucht – trotz der Konkurrenz von Hakan Yakin

Oliver Trust

Stuttgart. Es gibt Menschen, die machen sich wirklich Sorgen um ihn. Nur er selbst nicht. Nicht einmal jetzt, wenn öfter als sonst Bilder von Horst Heldt in der Zeitung abgedruckt sind, die von Texten begleitet sind, die wie Nachrufe klingen. Vom Kampf um die Nummer zehn wird da fabuliert, der nun den Alltag bestimmt, es wird von Träumen und Sehnsüchten gemutmaßt, die er jetzt doch haben müsste. Jetzt, da der Neue aus Basel da ist, Hakan Yakin, von dem der ehemalige Schweizer Nationaltrainer Rolf Fringer sagt: „Er ist ein Typ wie Balakow.“ Ein Freistoßspezialist, der auch geniale Pässe schlagen kann.

Horst Heldt müsste doch jetzt ans Ende denken, wenn Yakin mit der Vita eines Stars zum Training erscheint. Heldt denkt auch ans Ende, aber eben anders als viele glauben. „Mit 25 kann so eine Situation ein Problem sein, aber doch nicht für einen 34-Jährigen wie mich“, sagt er. Er spricht von Dankbarkeit und vermittelt den Eindruck, er sei mit sich und der Welt im Reinen, nachdem ihn das Schicksal von der Ersatzbank in Graz in die Startaufstellung des Champions-League-Teilnehmers in Stuttgart gebracht hat. „Was ich in Stuttgart erlebt habe, ist ein Geschenk.“ Schließlich habe er seine Aufgabe doch „ganz ordentlich gelöst“.

Nachfolger von Krassimir Balakow sollte Heldt nach den Vorstellungen von Trainer Felix Magath werden. Jetzt aber wird wohl Hakan Yakin diese Rolle übernehmen. „Stuttgart hat jetzt einen Spielmacher, von deren Sorte es nicht viele in Europa gibt“, sagt Fringer. Über Yakin, nicht über Heldt. Ein Instinktfußballer sei der 26 Jahre alte Nationalspieler. „Und er will der ganzen Schweiz zeigen, dass er nicht wie ein kleiner Junge neben seiner Mutter in Basel sitzen muss.“

Die Yakins seien schon sehr speziell, sagt Basels Trainer Christian Gross. Viele bunte Geschichten haben Hakan Yakin nach Stuttgart begleitet. Die Mutter folge dem stets gut gekleideten Sohn wie eine Glucke. „Sie wohnt in Basel nur fünf Minuten vom Trainingsplatz entfernt, deshalb war sie öfter da“, sagt Yakin. Ein gutes Verhältnis zur Mutter sei kein Verbrechen. Und schon ist in Stuttgart vom neuen Sorgenkind die Rede. Felix Magath lächelt dann nur wie bei den Nachrufen auf Horst Heldt. „Wir haben hier eine intakte Familie, da können wir ein Sorgenkind vertragen“, sagt er.

Yakin wird sich trotzdem beweisen müssen. Er kommt aus dem warmen Nest in der Schweiz, seinen ersten Ausflug in die große Fußballwelt (zu Paris St. Germain) brach er vorzeitig ab. Jetzt aber hetzt ein Heer von Reportern aus der Schweiz hinter ihm und Stürmer Marco Streller her. Am Sonntag, bei Hertha BSC, aber werden sie Yakin vergeblich suchen. Er reist nicht mit nach Berlin. Felix Magath sagt: „Da muss noch mehr kommen. Er kann noch ein wenig fitter werden.“

Horst Heldt wird also doch noch mal eine wichtige Rolle übernehmen. „Ich werde es Felix Magath so schwer wie möglich machen“, sagt er. Zumal er weiß, dass seine Chancen vorerst noch recht groß sind. Yakin darf, genauso wie Streller, in dieser Saison nicht für den VfB in der Champions League spielen. Außerdem brauche es Zeit, einen Offensivmann zu integrieren, sagt Magath. Horst Heldt meinte er damit nicht. Der wird nicht nur für die Spiele gegen Chelsea gebraucht. Sein Vertrag verlängert sich nach 22 Einsätzen in der Bundesliga automatisch bis 2005. Bisher hat Horst Heldt 18.

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