Sport : Ein Blick in den Rückspiegel

Jenson Button oder doch Michael Schumacher? Wer Weltmeister Sebastian Vettel gefährlich werden kann.

Karin Sturm

Insgesamt sechs Fahrer, die schon mal den WM-Titel gewonnen haben, gehen am Sonntag in Melbourne an den Start. In der australischen Stadt beginnt die Saison der Formel 1. Der aktuelle Weltmeister ist Sebastian Vettel, ihn werden sie alle jagen. Vettel will natürlich zum dritten Mal in Folge den Titel gewinnen. „Niemand will ja einen Platz schlechter abschneiden als im Vorjahr", sagt der 24-Jährige aus Heppenheim lächelnd. Drei WM-Titel in Folge, diesen Erfolg haben in der Formel 1 nur Juan Manuel Fangio und Michael Schumacher erreicht. Sollte Vettel also erneut die Gesamtwertung gewinnen, wäre er der jüngste dreimalige Weltmeister aller Zeiten.

„Er ist auch in diesem Jahr der Favorit“, sagt Formel-1-Boss Bernie Ecclestone. Der Brite ist damit in guter Gesellschaft. Denn dass Vettel mit seinem Red Bull auch in diesem Jahr wieder vorne liegen wird, darin sind sich viele Experten nach den Testtagen in Jerez und Barcelona einig. Und Vettel wird fahrerisch von Jahr zu Jahr besser und selbstbewusster. Allerdings prognostizieren die meisten auch, dass Vettels Vorsprung vor der Konkurrenz nicht ganz so deutlich sein wird wie im vergangenen Jahr.

„Vor allem Jenson Button wird Sebastian hart bedrängen, er könnte sein größter Rivale werden“, sagt Bull-Chef Christian Horner und signalisiert damit auch, dass er Mark Webber, den zweiten Red-Bull-Piloten, nicht allzu stark einschätzt. Button, Weltmeister von 2009, ist 2011 Vize-Weltmeister geworden und hatte sich im teaminternen McLaren-Duell überraschend klar gegen den ehemaligen Weltmeister Lewis Hamilton durchgesetzt. Button profitierte dabei regelmäßig von seiner reifenschonenden Fahrweise, während sich sein britischer Landsmann viele Fehler und Unbeherrschtheiten leistete. Dass er Beziehungsprobleme hatte, wirkte sich auch nicht gerade positiv auf seine Psyche aus. Hamilton sagt: „Die Probleme sind abgehakt, ich werde stärker sein denn je.“

Mercedes-Pilot Nico Rosberg hat die Hoffnung, dass sein Team die Konkurrenten Red Bull und McLaren „zumindest ärgern“ kann. Der Mercedes machte bei den Testfahrten einen deutlich besseren Eindruck als in den vergangenen Jahren. Mercedes-Pilot Michael Schumacher, Rekord-Weltmeister mit sieben Titeln, gibt sich dennoch noch vorsichtig: „Wir haben verglichen zu früher einen Sprung nach vorn gemacht. Aber was das im Kampf mit den anderen Teams bedeutet, muss sich erst zeigen.“ Er selber muss vor allem erst mal zeigen, dass er sich im eigenen Team gegen Rosberg durchsetzen kann. Der Teamkollege hatte ihn in den vergangenen beiden Jahren öfter deutlich abgehängt. Auch bei den Tests schien es so, als hätte Schumacher mit den Reifen etwas mehr Probleme als Rosberg.

Fernando Alonso im Ferrari dürfte in diesem Jahr kaum zu seinem dritten WM-Titel kommen. Der Spanier hatte die Trophäe 2005 und 2006 gewonnen. Ferrari hat in den Testrennen keinen überzeugenden Eindruck hinterlassen. Angesichts der eher enttäuschenden Leistung in der Saison 2011 hatte man sich bei den Italienern zu einem radikal neuen Konzept für neue Autos entschieden.. „Deshalb haben wir mit der Herstellung deutlich länger gebraucht als sonst“, sagte Alonso. „Wir benötigen noch Zeit, um alles zu verstehen und das gesamte Potenzial auszuschöpfen.“ Auch Technik-Chef Pat Fry räumte ein: „Podiumsplätze sind für uns im Moment kaum in Reichweite.“ Diese Einschätzung hat bei Ferrari-Boss Luca di Montezemolo leichte Panik hervorgerufen. Kurz vor dem Saisonstart hatte Ferrari versucht, mit einem Radikalumbau des Autos, vor allem im Heckbereich, zu retten, was zu retten war.

Bleibt noch Kimi Räikkönen als potenzieller Vettel-Jäger. Auch der Finne war schon Weltmeister. Er hatte sich später aus der Formel 1 verabschiedet und ist nun wieder zurückgekehrt. Nun startet er für Lotus, und dieses Team hatte bei den Wintertests mit Bestzeiten für Aufsehen gesorgt. Doch es gibt Experten, die vermuten, dass Lotus weniger Benzin im Tank hatte als die Rivalen. Zudem ist Lotus ein Privatteam, das weniger finanzielle Mittel besitzt als die Top-Teams. Die können viel mehr Geld für weitere Entwicklungen einsetzen als Lotus.

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