Sport : Ein böses Märchen

Ruud Gullit als Trainer in Grosny entlassen

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Der ohnehin vor Selbstbewusstsein strotzende tschetschenische Präsident Ramsan Kadyrow wirkte noch selbstherrlicher, als er im Januar Ruud Gullit als Trainer von Terek Grosny vorstellte: „Ich glaube, dass wir zusammen mit ihm auch die Champions League gewinnen können.“ Keine fünf Monate nach der Ernennung des 48-jährigen Holländers ist dieses Fußballmärchen schon wieder zu Ende – Gullit wurde auf schmachvolle Weise entlassen.

Am Montag veröffentlichte der Klub eine Erklärung: Kadyrow sei „äußerst unzufrieden mit der Einstellung von Gullit gegenüber seinen Verpflichtungen, der anstatt die Ärmel hochzukrempeln, über Bars und Diskotheken nachdenkt“. Offenbar hatte den Tschetschenen ein Interview von Gullit mit dem „Daily Mirror“ missfallen, in dem er sich etwa darüber beklagt hatte, dass es in Tschetschenien keinen Alkohol zu kaufen gebe. Die Abrechnung eröffnete unter anderem, dass Gullit jüngst nach einer zweiwöchigen Spielpause erst zwei Tage nach seinen Spielern aus dem Urlaub zurückgekehrt und dann mit ihnen in eine Diskothek gegangen war.

Der Klub warf Gullit sogar vor, mit falschen Transfers und ohne erkennbare Strategie den Erfolg der Mannschaft wissentlich sabotiert zu haben: Nach 13 Spieltagen und nur drei Siegen steht der Klub auf Platz 14 (von 16) der russischen Premier-Liga. Am Ende stellte Kadyrow dem Holländer ein Ultimatum: Sollte er am Dienstag ohne drei Punkte vom Auswärtsspiel in Perm zurückkehren, werde er entlassen. Terek verlor 0:1, und Gullit reihte sich ein in die Liste der ausländischen Trainer, die mit großem Rummel und mit viel Geld in Russland empfangen wurden und dann kläglich scheiterten. Der Däne Michail Laudrup hatte 2008 Spartak Moskau nach nur sieben Monaten verlassen, der Brasilianer Zico warf 2009 bei ZSKA Moskau nach acht Monaten das Handtuch.

Kasbek Chadschijew, Pressesprecher von Terek, erklärte auf Anfrage, dass man die finanziellen Verpflichtungen gegenüber Gullit selbstverständlich erfüllen werde. Gerüchten zufolge war Gullit ein Jahresgehalt von 4,5 Millionen Euro versprochen worden, sein Vertrag lief bis zum Sommer 2012. Nach der Versammlung sei Gullit in die Schweiz geflogen.

Schadenfroh und mit Genugtuung kommentieren die russischen Medien das Scheitern Gullits in Grosny. Schadenfroh, weil Kadyrow in den letzten Monaten einen PR-Gag nach dem anderen lieferte, um der Welt zu beweisen, dass in seiner ehemals umkämpften Kaukasus-Republik nun Frieden und Eintracht herrschen. Ein Ziel hält Gullit jedoch für erreicht. Nach der Niederlage in Perm erklärte er: „Früher wusste die Welt nichts von diesem Klub, aber mit meiner Ankunft ist Terek auf der Fußball-Landkarte aufgetaucht.“

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