Sport : Ein breiter Erfolg

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Stefan Hermanns über den Fußball als Motor des technischen Fortschritts

Der gemeine Fan hat den Fußball betreffend immer noch eine recht romantische Vorstellung. Ja, eigentlich macht es den Fan erst zum Fan, dass er sich in dieser Vorstellung durch fast nichts irritieren lässt: nicht von überbezahlten Jungprofis, die ihre Vereine so oft wechseln wie ihre Autos, nicht von seelenlosen Mannschaften und auch nicht von Marketingmanagern, die einen Fußballklub führen wollen wie einen Zigarettenkonzern.

Es gehört zu den Widersprüchen der Branche, dass die Geschäftemacherei am entschiedensten von der Fifa vorangetrieben wird, dem Weltverband, der doch die Belange des Fußballs vertreten sollte. Für die Fifa aber ist der Fußball nur noch Mittel zum Zweck – zum Beispiel, um den Absatz von Fernsehgeräten zu steigern. Die Spiele der Fifa-Weltmeisterschaft 2006 werden ausschließlich im 16:9-Breitbildformat gezeigt. Das, so sagt Fifa-Präsident Joseph Blatter, „wird den Zuschauern einen fantastischen Blick auf das Fußballgeschehen eröffnen“. Vorausgesetzt, die Zuschauer besitzen einen entsprechenden Fernseher. Oder – noch besser – sie kaufen sich einen. Bei den herkömmlichen Geräten hat das Bild oben und unten einen schwarzen Streifen.

Fußball-Weltmeisterschaften waren immer schon ein Segen für die Fernsehhersteller. Vor der WM 1954 gab es in Deutschland gerade 13 000 Anschlüsse, ein Jahr später waren es 200 000. Das Turnier von 1974 hat den Absatz von Farbfernsehern gefördert, und vor einem Jahr waren die meisten WM- Spiele in Deutschland nur beim Abosender Premiere zu sehen – zum Wohle des Decoderverkaufs.

Von ungefähr kommt das alles nicht. Einer der WM-Sponsoren ist der holländische Elektronikkonzern Philips.

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