Sport : Ein Computer und elf GeschworeneWer die Kandidaten für

Olympia 2012 bestimmt

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Berlin Bis zur letzten Sekunde wird die deutsche Delegation in Lausanne versuchen, für Leipzig als Olympiakandidat zu werben. Doch Einflussmöglichkeiten sind gering. Die Kriterien der Vorauswahl sollen so technisch wie möglich sein – und so unpolitisch wie möglich.

Die grundlegende Entscheidung ist ohnehin schon gefallen. Experten des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) haben die Unterlagen der neun Bewerberstädte ausgewertet und die Ergebnisse in einen Computer eingegeben. Wer diese Experten sind und wie viele, das wissen nur IOC-Präsident Jacques Rogge und IOC-Direktor Gilbert Filli. Die Rede ist von zehn bis fünfzehn Experten aus dem Kreis des IOC, aber auch aus der Wissenschaft und der Wirtschaft.

Sie bewerten die Bewerber nach insgesamt zehn Kriterien, und für jedes Kriterium vergeben sie eine Punktzahl zwischen null und zehn. Die Kriterien haben eine unterschiedlich hohe Bedeutung und bekommen einen Faktor von eins bis fünf. Außerdem gibt es für jede Kategorie noch einen Glaubwürdigkeitsfaktor zwischen null und zehn.

Am wichtigsten sind dem IOC die allgemeine Infrastruktur und die Unterkünfte. Sie werden mit dem Faktor fünf bewertet. Viel wird also für Leipzig davon abhängen, ob der Plan angenommen wird, verfallene Altbauten in Teilzeithotels umzuwandeln und damit auf die geforderten 42 000 Betten zu kommen. Mit Faktor vier werden das olympische Dorf, die Wettkampfstätten und das Transportsystem bewertet. Als Kriterien folgen das Gesamtkonzept, die Sicherheit, Erfahrung mit Großveranstaltungen, Umweltverträglichkeit und Unterstützung durch Politik und Öffentlichkeit. Nach viel Multiplizieren und Dividieren kommt eine Endnote zwischen null und zehn heraus, nach der die Rangliste erstellt wird. Olympiatauglich sind nach Meinung der Experten alle Kandidaten, die eine höhere Punktzahl als 6,0 haben. Eine Mindestpunktzahl für die Kandidaten gibt es angeblich dennoch nicht.

Die Ergebnisse haben die Mitglieder der Exekutive am Montagabend erhalten. Sie werden am Dienstagmorgen entscheiden, aus welchen Bewerbern offizielle Kandidaten werden. An der Reihenfolge des Computers können sie nichts mehr ändern. Aber sie können entscheiden, wie viele Kandidaten zugelassen werden. Erst an dieser Stelle wird es politisch.

Genau in dieser Frage will die deutsche Delegation mit Bundesinnenminister Otto Schily an der Spitze auf das IOC einwirken. Ihre Argumente muss sie insgesamt elfmal vortragen, denn so viele Mitglieder werden die Entscheidung treffen. Die IOC-Vizepräsidenten Thomas Bach aus Tauberbischofsheim, Witali Smirnow aus Russland und James Easton aus den Vereinigten Staaten dürfen nicht mitstimmen, weil aus ihrem Land Bewerber im Rennen sind. Der Südkoreaner Un Yong Kim ist zurzeit wegen Korruptionsverdacht suspendiert. Bleiben noch zehn Mitglieder. Wenn sie unentschieden sind, hat IOC-Präsident Rogge die entscheidende Stimme.

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