Sport : Ein Dach ist genug

Friedhard Teuffel

erklärt, was es für NOK und DSB zu feiern gibt Gelegenheit zum Siegen hatte der deutsche Sport in diesem Jahr genug, bei der Fußball-Europameisterschaft etwa oder bei den Olympischen Spielen. Gestern hat er endlich eine große Chance genutzt. Es war ein Erfolg unter Ausschluss der Öffentlichkeit, und dennoch darf er gefeiert werden: Das Nationale Olympische Komitee (NOK) hat beschlossen, mit dem Deutschen Sportbund (DSB) über eine Verschmelzung bis Mitte 2006 zu verhandeln.

Ohnehin ist es schwer zu verstehen, warum es in Deutschland zwei Dachorganisationen gibt. Der DSB, höchstes Organ der 85 000 deutschen Sportvereine, fühlt sich auch noch für den Spitzensport zuständig – genau wie das NOK. Das für Olympianominierungen verantwortliche NOK hat nun verstanden, dass die Zustimmung zu einem gemeinsamen Dachverband die einzige Chance ist, um seine Aufgaben wie die olympische Erziehung zu retten. Mit dem Fluchtversuch vor dem DSB aus Frankfurt nach Berlin war das NOK zuvor gescheitert. Jetzt geht die Flucht des NOK nach vorne. Dabei hat es begonnen, die Macht der Sprache zu nutzen. Es möchte eine Verschmelzung mit dem DSB erreichen und keine Fusion. Den Unterschied wird das NOK hoffentlich bald aufklären.

Der deutsche Sport wird sich in Zukunft nicht mehr verausgaben. Es gab zu viele und zu lange Sitzungen, zu hohe Kosten. Im Nebeneinander zwischen DSB und NOK benahm sich der Sport wie ein Zehnkämpfer, der auch noch beim 10 000-Meter-Lauf mitmachen will. Das Beste an der Verbindung ist jedoch die Idee dahinter. Denn ein einziges Dach für den Sport bedeutet auch eine gedankliche Einheit: Der Spitzensport wird vom Breitensport getragen, zum Leistungssport gehört auch die Gesundheit, und jede olympische Karriere beginnt in der Nachwuchsabteilung eines Vereins.

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