Sport : Ein Dämpfer für Dallas

Dirk Nowitzki und die Mavericks verlieren das Spitzenspiel in San Antonio

Matthias B. Krause[New York]

Anfang März ist nicht unbedingt eine Zeit, in der man über jedes einzelne Spiel nachdenkt. Die Play-offs in der NBA, der nordamerikanischen Basketballprofiliga, beginnen erst Ende April, bis dahin sind es noch 25 Spiele. Doch die 89:98-Niederlage Donnerstagnacht bei den San Antonio Spurs wird die Dallas Mavericks noch lange schmerzen. „Wir sind nicht hierhergekommen, um irgendwelche moralischen Siege einzufahren“, grummelte Mavericks-Cheftrainer Avery Johnson, „ich bin sehr enttäuscht.“ Es klang fast, als hätte sein Team bereits die Meisterschaft verloren.

Ähnlich hörten sich TV-Kommentatoren des landesweit übertragenen Spitzenspiels an. Vor Spielbeginn hatten sie darüber spekuliert, wie gut die Chancen von Dallas’ Flügelspieler Dirk Nowitzki seien, die Trophäe als „Most Valuable Player“ (MVP) der Saison zu gewinnen. Ziemlich gut, schlussfolgerten sie, zwar spielten Kobe Bryant bei den Los Angeles Lakers und LeBron James bei den Cleveland Cavaliers spektakulärer, doch ihre Teams haben Schwierigkeiten, überhaupt in Reichweite der Play-offs zu bleiben. Dann wäre da noch Steve Nash, der MVP des vergangenen Jahres und wieder einer der herausragenden Akteure. Aber Nowitzki macht regelmäßig mehr Körbe als sein Freund bei den Phoenix Suns.

Nach dem Niedergang in San Antonio allerdings verschwand Nowitzki von der Liste der Kommentatoren. Er hatte sich von San Antonios Verteidiger Bruce Bowen einschüchtern lassen. Der extrem aggressive, schnellfüßige Bowen hatte stets eine Hand am Mann, einen Fuß im Weg, wo immer sich Nowitzki auch hinflüchtete. Statt sich darauf einzustellen, wuchs bei dem deutschen Nationalspieler die Frustration mit jeder Minute. Er beendete das Spiel mit 23 Punkten und elf Rebounds, doch von fünf Drei-Punkt-Versuchen fand nur einer sein Ziel, und von 15 Würfen aus dem Feld traf er nur sechs. Schlimmer noch: Er verließ das Parkett mit dem Label, das nun schon seit Jahren an ihm und seiner Mannschaft haftet. Sie spielen schön, sie spielen erfolgreich, aber wenn es darauf ankommt, sind sie zu weich.

Das wäre anders gewesen, hätten sie diese eine verflixte Partie gegen den amtierenden Meister gewonnen. Zuvor waren die Mavericks in 20 Spielen nur einmal besiegt worden, sie führten die Southwest Divison an mit 45 Erfolgen und elf Niederlagen, besser spielen derzeit nur die Detroit Pistons. Das erste Mal seit Ewigkeiten hätten die Mavericks die Chance gehabt, die Western Conference als Sieger zu beenden und sich so den Heimvorteil bis ins Finale zu sichern. Nun sind die punktgleichen Spurs wieder Tabellenführer, weil sie im direkten Vergleich besser sind. Das werden sie auch bleiben, es sei denn, Dallas gewinnt das letzte Aufeinandertreffen der beiden in der regulären Saison haushoch.

Außerdem muss die alte Frage wieder gestellt werden, wie es denn nun wirklich bestellt ist um die Verteidigungskünste des Teams. Seit Johnson Headcoach ist, geht es unbestritten anders zu als unter seinem als „verrückter Professor“ beschriebenen, extrem experimentierfreudigen Vorgänger Don Nelson. Wer nicht spurt in der Defensive, den holt Johnson auf die Bank, mag er vorne auch noch so wundervolle Körbe produzieren. Die Botschaft ist angekommen und selbst gegen San Antonio präsentierte sich sein Team zumindest in der ersten Hälfte von seiner besten Seite. Bis die alten Untugenden wieder durchbrachen. Da wäre es eigentlich an Nowitzki gewesen, seine Führungsrolle auszufüllen und den Niedergang zu stoppen. Doch der war zu sehr mit sich selbst und dem Versuch beschäftigt, den Ball in aussichtsreicher Position überhaupt in die Hände zu bekommen. Aber zum Glück ist ja erst März und noch nichts verloren. Eigentlich jedenfalls.

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