Sport : Ein Demokrat durch und durch (Kommentar)

Klaus Rocca

Überall in der Fußball-Bundesliga, jedenfalls außerhalb von München, hält man Uli Hoeneß für einen Despoten. Das kann so nicht stehen bleiben. Der Manager des FC Bayern München ist ein Demokrat durch und durch. Sonst hätte er wohl kaum das Votum von Nyon akzeptiert. Das Votum der Mehrheit, jener Klubs, die es bei den 32 Vereinen in der Champions League belassen wollen. Im Stil eines Staatsmannes bekannte Hoeneß am Mittwoch: "Wir Deutschen müssen uns daran gewöhnen, dass es in der Demokratie Mehrheitsbeschlüsse gibt."

Mäkler mögen einwenden, daran hätten wir uns schon längst gewöhnt. Andere behaupten, die Bayern hätten den Antrag auf eine Reduzierung nur gestellt, weil sie sicher seien, ohnehin immer im Kreis der Champions zu spielen. Dabei stellen sie sich doch nur gegen das Verwässerungsprinzip und fordern, dass die Champions League wieder eine Liga ausschließlich für Champions sein soll. Wer wollte da widersprechen?

Na ja, ein klein wenig wollen wir es schon. Hertha BSC etwa wäre gar nicht dabei, wenn in dieser Champions League wirklich nur Champions kicken würden. Kein Wunder, dass Herthas Manager Dieter Hoeneß in Nyon nicht mit seinem Bruder gestimmt und sich in den Kreis der Nein-Sager eingereiht hat. Mögen die anderen doch von Etikettenschwindel reden, so viel sie wollen. Wir Berliner sind schließlich Hauptstädter, und wir lassen uns auch durch sinkende Zuschauerzahlen in den Stadien und vor den Fernsehschirmen den Spaß nicht verderben.

Da sind wir klar in der Mehrheit. Das wird sicher auch Uli Hoeneß verstehen. Auch wenn er sich noch im Gewöhnungsprozess befindet.

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