Sport : Ein deutscher Siegertyp

Christian Hönicke

hofft auf weitere Erfolge von Michael Schumacher Was macht Michael Schumacher jetzt, nachdem er mal wieder Weltmeister geworden ist? Die feuerfeste Nomex-Unterwäsche gegen eine neonfarbene Badehose tauschen? Sich für fünf Wochen einsperren in sein Ferienhaus in Norwegen, mit einem Stapel Klebetattoos, die er sich so gern auf die Oberarme pappt? Nichts von dem.

Michael Schumacher kann sich nichts Schöneres vorstellen, als auch das nächste Formel-1-Rennen in Monza zu gewinnen. Sieben WM-Titel und 82 Grand- Prix-Siege werden vermutlich unerreicht bleiben – Schumacher sind sie nicht genug. Er will gewinnen, und sei es bei einem Wohltätigkeitsrennen auf der Kartbahn in Kerpen. Es ist diese Art von Motivation, die man bei den deutschen Olympia-Athleten bisweilen vergeblich suchte. Etwa bei der Sprinterin Sina Schielke, die ihr Aus im Vorlauf mit der Erklärung rechtfertigte, sie könne morgens nicht laufen, oder beim Stabhochspringer Tim Lobinger, der sich vor allem um seine Frisur zu kümmern schien.

Siegertypen sind selten geworden in Deutschland. Die Fußballer nahmen ihr Ausscheiden in der Vorrunde der EM emotionslos hin, und das angebliche Jahrhunderttalent Jan Ullrich feiert seinen vierten Platz bei der Tour de France als Erfolg. Nur Schumacher lässt sich nicht so leicht zufrieden stellen. Vielleicht wollten die Fernsehzuschauer am Sonntag deshalb lieber seiner Fahrt in Spa zusehen als den erfolglosen Bemühungen der Landsleute in Athen. Auch wenn er seine Steuern schon lange nicht mehr in Deutschland zahlt, gibt Michael Schumacher den Menschen dieses Landes doch etwas. Er erinnert sie daran, dass dabei sein zwar schön ist. Aber Erfolg eben noch schöner.

0 Kommentare

Neuester Kommentar