Sport : Ein deutsches Stadion

Ein Buch über das Berliner Olympiastadion

André Görke

Was, bitte schön, muss das für ein langweiliges Fest gewesen sein! Als das Deutsche Stadion 1913 eröffnet wurde, tranken die Berliner 36 000 Tassen Kaffee. Wie auch immer, mit dem Deutschen Stadion fing sie an: die Geschichte des Olympiastadions. Zu den Olympischen Spielen 1936 wurde das Stadion vergrößert, eine Pferderennbahn entfernt und die Veranstaltung als Bühne von Adolf Hitler missbraucht. Tausend Jahre werde das Stadion halten, rief Hitler in die Mikrofone. Jetzt, 68 Jahre später, wird das Stadion erneut feierlich eröffnet. Deshalb ist ein Buch über „die Große Runde“ erschienen. Alte Aufnahmen zeigen die Entstehungsgeschichte, kurze Texte klären auf, warum das Stadion in einer Kuhle liegt. Momente wie die Siege des schwarzen US- Athleten Jesse Owens bei Olympia 1936 werden gefeiert. Leider stellt sich der Lesespaß erst nach 40 Seiten ein, bis dahin quält man sich durch Werbetexte über die Bauherren. Längen gibt es auch in der Nachkriegsgeschichte. Spannend wird es erst wieder, wenn Gastautoren schreiben: So erinnert sich Klaus Rocca, 38 Jahre Redakteur des Tagesspiegel, an die Flutlichtmasten, die Jahrzehnte das Stadion prägten, und Johannes B. Kerner erzählt, wie er Ordner bei Hertha wurde, um seinen Verein zu sehen. Ein netter Zeitvertreib, aber auch oft bemüht und selten distanziert.

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