Sport : Ein Dortmunder aus Schalke Heinrich Kwiatkowski, der Weltmeister, ist tot

Claus Vetter

Heinrich Kwiatkowski hatte 1954 die undankbarste Rolle beim ersten deutschen Fußball-Weltmeistertitel. Einmal wurde der Torhüter beim Turnier in der Schweiz eingesetzt – und kassierte acht Tore. Sein Debüt als Nationalspieler war ausgerechnet die 3:8-Niederlage in der Vorrunde gegen Ungarn am 20. Juni 1954 in Basel. „Ich habe gebetet, dass es nicht zweistellig wird“, hat Kwiatkowski einmal erzählt. Danach kam er nur noch dreimal in der Nationalmannschaft zum Einsatz, zuletzt beim 3:6 gegen Frankreich im Spiel um Platz drei bei der WM 1958. Danach soll er Bundestrainer Sepp Herberger gebeten haben, ihn nicht mehr zu nominieren.

So unglücklich die Karriere in der Nationalmannschaft für Kwiatkowski verlief, so erfolgreich war der gebürtige Schalker ausgerechnet bei Borussia Dortmund. Mit Dortmund wurde er 1956, 1957 und 1963 Deutscher Meister. 1965 konnte er den Sieg im DFB-Pokal und 1966 den Titel im Europapokal der Pokalsieger feiern. Doch zu diesen Erfolgen kam der Torwart, der 409 Oberligaspiele hinter sich hatte, wie zum WM-Titel: vor allem als Zuschauer. Nach Einführung der Bundesliga war er in Dortmund nur noch Ersatz hinter Bernhard Wessel und dann hinter Hans Tilkowski. Er kam nur noch zu drei Spielen in der neuen Liga. Nach dem Ende seiner Karriere arbeitete Heinrich Kwiatkowski, der gelernte Schlosser, bei den Dortmunder Stadtwerken, bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1989. Der Borussia blieb Kwiatkowski aber treu. So spielte er noch im Alter von 63 Jahren in der BVB-Traditionsmannschaft und war Mitglied im Ältestenrat seines Klubs.

Nun leben mit Horst Eckel, Ottmar Walter, Alfred Pfaff und Hans Schäfer nur noch vier Spieler, die bei der WM 1954 in der deutschen Mannschaft eingesetzt wurden. Am Freitag ist Heinrich Kwiatkowski nach langer schwerer Krankheit verstorben. Claus Vetter

0 Kommentare

Neuester Kommentar