Sport : Ein Dutzend für Detroit

Golfprofi Langer nominiert das Ryder-Cup-Team

Thomas Lötz[München]

Am Ende war es eine Schwangerschaft, die über die Besetzung von Europas Ryder-Cup-Team entschied. Am 6. Mai dieses Jahres setzten bei Erika Jacobson früher als gedacht die Wehen ein. Derweil absolvierte ihr Mann, der schwedische Golfprofi Fredrik Jacobson, bei einem der höchstdotierten und bestbesetzten Turniere in den USA, den Wachovia Championships, seine Auftaktrunde. 66 Schläge hatte er benötigt, lag damit auf Platz zwei und hatte beste Aussichten auf ein hohes Preisgeld. Da erhielt er den Anruf seiner Frau. Jacobson stieg aus dem Turnier aus, flog von North Carolina in seine Wahlheimat Florida und schaffte es dann doch nicht rechtzeitig mehr zur Geburt seiner Tochter.

„So etwas kann man eben nicht planen“, sagte Jacobson während der BMW International Open in Eichenried bei München. Jenem Turnier, bei dem bis zum vergangenen Sonntag die sechs letzten freien Plätze für das europäische Ryder-Cup-Team vergeben wurden. In drei Wochen versuchen Europas zwölf beste Golfprofis, in der Nähe von Detroit gegen Gastgeber USA die vor zwei Jahren gewonnene Trophäe zu verteidigen. Das Europa-Team wird vom Deutschen Bernhard Langer als Kapitän geführt.

In Nordamerika ist das Interesse an dem Turnier groß: Mit großem Eifer wurde dort in den Zeitungen zuletzt spekuliert und vorgerechnet, wer sich denn über zwei Ranglisten – eine internationale und eine europäische – für das Team von Bernhard Langer qualifizieren werde. Jeweils fünf Plätze standen pro Wertung zur Verfügung, zudem hatte der deutsche Teamkapitän die Möglichkeit, zwei Wildcards an Spieler seiner Wahl zu vergeben.

„Lange Zeit sah ich wie ein sicherer Kandidat für das Team aus“, sagte Jacobson nach seiner Schlussrunde in München, und sein Gesicht strahlte wenig Zuversicht aus. Eine Woche zuvor hatte er als Sechster der internationalen Rangliste die Qualifikation verpasst. Vor Beginn des Münchner Turniers trennten ihn in der europäischen Wertung drei Plätze von einem Ticket nach Detroit. Am Ende blieb ihm nur der sechste Platz in München – zu wenig. „Ich wusste, dass ich das Turnier hier als Erster oder Zweiter würde beenden müssen, um sicher im Team dabei zu sein“, sagte Jacobson. „Jetzt hoffe ich nur noch.“ Auf eine Wildcard von Bernhard Langer. Doch den Gefallen tat der Deutsche dem Schweden nicht.

Gut zwei Stunden nach dem Turnierende hatte Bernhard Langer in einem schicken dunklen Anzug und mit brav gekämmten blonden Locken in München auf einem Podium Platz genommen. Die Ryder-Cup-Trophäe hatte der Kapitän mitgebracht, die Verkündung seiner zwei Wildcard-Picks wurde im englischen Fernsehen live übertragen.

Langer entschied sich für den erfahrenen Schotten Colin Montgomerie und den jungen, auf der US-Tour erfolgreich spielenden Engländer Luke Donald. Und erläuterte dann auch, warum seine Wahl nicht auf Jacobson gefallen war, wobei noch einmal deutlich wurde, wie unglaublich eng es für den Schweden geworden war. „Wenn er heute zwei oder drei Schläge, ja vielleicht sogar nur einen Schlag besser abgeschnitten hätte, wäre er automatisch im Team gewesen und hätte einen anderen verdrängt“, sagte Langer, „man kann nicht näher dran sein als er.“ Ein kleiner Trost bleibt Jacobson. Sollte sich einer der nominierten zwölf Kollegen bis zum ersten Abschlag in Detroit verletzen, rückt er nach ins Team.

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