Sport : Ein echter Schenkelklopfer

Robert Förstemann ist Publikumsliebling bei den Sixdays geworden – dank 72 Zentimetern Beinumfang

von

Berlin - Robert ist mit seinen Eltern ans Meer gefahren. Der kleine Junge verbringt die meiste Zeit am Wasser, irgendwann macht jemand ein Foto von ihm. Im Hintergrund schimmert die Ostsee in dunklem Blau, die Sonne blendet Robert ins Gesicht, der Sand leuchtet hell. Nur sind es weder Meer noch Strand, die dem Betrachter sofort ins Auge springen, sondern Roberts Oberschenkel. Die sind für einen Vierjährigen unglaublich kräftig.

Zwanzig Jahre später sitzt Robert Förstemann im Innenraum des Berliner Velodroms. Seine Beine sind inzwischen nicht mehr nur ungewöhnlich, sondern ein Naturereignis. Vor wenigen Minuten ist er beim Einzelzeitfahren Dritter geworden, Er ist erschöpft, die Muskeln zucken nach der Belastung. So unmittelbar nach dem Wettkampf sehen Förstemanns Beine noch imposanter aus. Riesige Adern bahnen sich durchs Gewebe, dort, wo bei gewöhnlichen Menschen das Knie zu sehen ist, bedecken Berge von Muskeln den Knochen. Oberschenkel und Waden gleichen denen eines Comic-Helden.

72 Zentimeter beträgt Förstemanns Oberschenkelumfang, so viel wie bei keinem anderen Fahrer. Zum Vergleich: Brasiliens Außenverteidiger Roberto Carlos war im Fußball für seine strammen Beine bekannt, brachte es aber auf gerade 58 Zentimeter. Im Alltag oft hinderlich (so muss sich Förstemann seine Hosen immer vier Nummern größer kaufen, um hineinzupassen), sind seine Oberschenkel beim Sport das größte Pfand. Der 1,74 Meter große Fahrer ist eine Attraktion, beim Sechstagerennen bejubelte das Publikum den gebürtigen Thüringer. Ihm gefällt das. „Es ist mir schon klar, dass meine Beine für andere Menschen ungewöhnlich aussehen. Mir dagegen fällt das gar nicht mehr auf.“ Der 24-Jährige genießt seine Popularität, er betrachtet sie als Geschenk und Belohnung. Dafür, dass er bereits in jungen Jahren eine schwierige Situation gemeistert hat.

Förstemann ist neun Jahre alt, als sich sein Hüftgelenk aufzulösen beginnt. Die Ärzte sind ratlos. Bis eine Uniklinik anbietet, Robert nach einem neuartigen Verfahren zu operieren. Der Eingriff verläuft erfolgreich, trotzdem muss er eineinhalb Jahre an Krücken gehen und das Laufen neu lernen. Zwei Jahre darf er keinen Sport machen. Als er wieder genesen ist, fängt gegen den Rat seiner Ärzte mit dem Radfahren an. Eigentlich ist er mit 15 Jahren zu alt für den Einstieg in den Leistungssport, doch seine kräftigen Oberschenkel und ein unbändiger Wille lassen ihn Rundenzeiten fahren, von denen seine Altersgenossen nur träumen.

Inzwischen feiert er national und international Erfolge im Sprint und Zeitfahren. Vor den Rennen in Berlin hat er noch schnell 240 Kilogramm in der Beinpresse gestemmt. Was man eben so macht mit 72 Zentimeter Oberschenkelumfang.

Autor

0 Kommentare

Neuester Kommentar