Sport : Ein Elsässer aus Schanghai

Freiburg staunt über Régis Dorn, den Joker für die wichtigen Tore

Christoph Kieslich[Freiburg]

Fassungslos waren sie am Ende beide. Die Spieler vom VfL Bochum trauerten über den Verlust eines sicher geglaubten Erfolgs, die vom SC Freiburg freuten sich über den 2:2-Ausgleich in letzter Sekunde, mit dem sie die Verlängerung erreichten und der den 3:2-Sieg und den Einzug ins Achtelfinale erst ermöglichte. Sie feierten einen Mann, der die tiefsten Sehnsüchte der Fans erfüllt: Régis Dorn, Typ Mittelstürmer und zweifacher Torschütze.

Es war der letzte Ball, den Torwart Richard Golz aus der Mitte der eigenen Platzhälfte hoch und weit nach vorne schlug, den Verteidiger Youssef Mohamad Richtung Bochumer Tor lenkte. Dort bugsierte ihn Régis Dorn aus einem Meter Entfernung über die Linie. Ein Treffer, der mit scheinbar sicherem Instinkt erzielt worden war, denn außer dem Franzosen stand dort niemand, auch nicht Verteidiger Marcel Maltritz. Damit waren die Bemühungen der Freiburger vor 7500 Zuschauern im Stadion bereits reich belohnt, denn niemand wollte Bochums Trainer Peter Neururer widersprechen, der seine Mannschaft als „die klar bessere“ gesehen hatte.

Allein die Pfostentreffer von Vratislav Lokvenc und Tommy Bechmann sowie mehrere fabelhafte Paraden von Freiburgs Keeper Golz waren genügend Argumente, um Neururers These zu stützen. Doch als die Bochumer in der Schlussphase mit hektischen Einwechslungen Zeit gewinnen wollten und in den Torschützen Bechmann und Misimovic ihre Besten vom Platz nahmen, da kämpften sich die Freiburger zurück ins Spiel.

Ihr Trainer Volker Finke hatte die besseren Entscheidungen getroffen. Vor allem mit der Einwechslung von Régis Dorn, der nach seinem Ausgleich auch noch in der 116. Minute mit einem Flugkopfball knapp über der Grasnarbe das entscheidende 3:2 erzielte. Finke hatte Mühe, das Phänomen Dorn zu erklären. Vor vier Jahren war der als 20-Jähriger aus der Fußballschule von Racing Strasbourg nach Freiburg gekommen und hatte sich mit vier Toren in 15 Spielen Sympathien erworben, doch nach dem Wiederaufstieg war er als spielerisch zu schwach eingestuft worden. Die Arbeitsplatzsuche war für Dorn nicht einfach: Über die französische Zweitliga-Provinz in Amiens und einen Abstecher nach Schanghai tauchte er im Frühling dieses Jahres wieder in Freiburg auf. Volker Finke ließ ihn mittrainieren, und im Sommer unterbreitete er Dorn überraschend ein Angebot für einen Einjahresvertrag.

Nachzudenken gab es da für Dorn nicht mehr viel. Er fühlt sich wohl in Freiburg und gefällt sich in seiner Jokerrolle. In Wolfsburg traf er kurz vor Schluss zum 1:0-Sieg, in Hannover half sein Tor, einen 0:2-Rückstand in ein 2:2 zu verwandeln, nun hat er ein Pokalspiel umgebogen – und jedes Mal von der Bank weg. Alle Beobachter sind sie ein bisschen verblüfft von dem Comeback des Elsässers, der mit seinem charmanten Akzent vermutet: „So hat sich das der Trainer wahrscheinlich auch nicht vorgestellt.“

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