• Ein Ende in dreieinhalb Zeilen - 1860 trennt sich von Geenen und verbeugt sich vor Häßler

Sport : Ein Ende in dreieinhalb Zeilen - 1860 trennt sich von Geenen und verbeugt sich vor Häßler

Detlef Dresslein

Das Ende einer Ära hatte genau dreieinhalb Zeilen. In einer Pressemitteilung wurde am späten Donnerstag abend verkündet: "Der TSV München von 1860 e. V. trennt sich mit sofortiger Wirkung und im beiderseitigen Einvernehmen von Sportdirektor Edgar Geenen. Weitere Erklärungen zu dieser Vertragsauflösung wird keine der beiden Parteien abgeben." Das ist auch kaum mehr nötig, denn alles weitere ist bekannt. Im Dezember trennte sich 1860-Spielmacher Thomas Häßler von seiner Frau Angela. Vor einer Woche wurde dann bekannt, dass inzwischen ausgerechnet Edgar Geenen der neue Mann an ihrer Seite geworden war. Weiteres pikantes Detail am Rande: Angela Häßler blieb die Managerin ihres Noch-Gatten.

Derlei Kabale und Liebe, verhängnisvolle Affären und gefährliche Liebschaften am Arbeitsplatz waren natürlich allerbester Stoff für die drei Münchner Boulevardzeitungen. "Zerbricht er an seiner Frau?" titelte die eine, während die eine Konkurrenz das Ganze schlichtweg "zum Geenen" fand und die andere sehr intim spekulierte, an welchem Ort des Hauses denn fortan die vertraglichen Details des Löwen-Spielmachers ausgehandelt würden. Präsident Karl-Heinz Wildmoser stellte zwar ausdrücklich fest, dass er nicht glaube, "dass Bernd Winkler das Tor nicht trifft, weil irgendjemand bei uns mit irgendjemandem im Bett liegt." Aber überdeutlich war geworden, dass Thomas Häßler in den ersten beiden Rückrundenspielen auf dem Platz herumstolperte und in seinem Sog die ganze Mannschaft grausam dilettierte. Und da Häßler als sensibel bekannt ist, dürfte ein Zusammenhang bei aller Professionalität nicht allzu weit hergeholt sein.

Mitte der Woche sprach deshalb der Mannschaftsrat um Kapitän Winkler beim Präsidenten vor. "Wir haben unsere Meinung gesagt. Alles andere geht uns nichts an", erzählte Winkler. Die Konsequenz Trennung war somit einfach und doch überraschend. Schließlich war Geenen seit 1997 im Dienste der Löwen und allseits hoch geschätzt. Machte er sich doch einen Ruf als cleverer Ein- und Verkäufer. Mitläufer und Aussortierte wie Abderrahim Ouakili oder Stefan Malz verkaufte er für Millionen, andererseits holte er recht wohlfeil oder auch völlig ablösefrei die jetzigen Leistungsträger. Die Mannschaft wurde stärker, und Gewinn wurde dabei auch noch gemacht. So einen lässt man an sich nicht gerne ziehen. Die Trennung von ihm darf also auch als tiefe Verbeugung vor Thomas Häßler gewertet werden.

Trainer Werner Lorant findet, dass Häßler "jetzt genug gelesen hat, der arme Kerl". Und stellte klar: "Wir sind hier zum Fußball spielen. Deshalb ist für mich als Trainer der Thomas Häßler wichtig und sonst niemand." Er werde dem Spielmacher "alle erdenkliche Hilfe geben, damit er wieder frei Fußball spielen kann".

Die Aufgaben des frisch verliebten Ex-Sportdirektors Geenen, der bereits mit dem 1. FC Nürnberg in Verbindung gebracht wird, übernimmt bis zum Saisonende Werner Lorant ("Mach ich selbst"). Er will deshalb "eben zwei bis drei Stunden mehr arbeiten". Und am liebsten wäre es ihm sowieso, man würde sich wieder aufs Wesentliche besinnen: "Spiele, Siege, Training - alles andere ist unwichtig."

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