Sport : Ein Ersatzmann wird Weltmeister

Felix Sturm boxt sich durch, Michel Trabant scheitert

Ingo Wolff

Berlin. Felix Sturm stand leicht benommen im Ring. Ringrichter Samuel Burke hatte Mühe, den Arm des Leverkuseners hochzuheben und ihn zum Sieger zu erklären. Kurz zuvor hatte sich Sturm vor 3000 Zuschauern im Estrel Convention Center gegen die harten Schläge des Argentiniers Hector Velazco wehren müssen, nun stand der 24-Jährige da und verstand die Welt nicht mehr. Nicht die Schläge zeigten bei ihm starke Wirkung, sondern das Urteil: Sturm wurde zum neuen Weltmeister im Mittelgewicht des Weltverbandes WBO ausgerufen. Zwei der drei Punktrichter hatten sich für den Sohn bosnischer Einwanderer als Sieger entschieden.

Es war ein knappes, aber kein ungerechtes Urteil. Sturm hatte den Titelverteidiger sechs Runden lang mit gezielten Schlägen malträtiert und konnte sich die übrigen sechs Runden auf seinem Vorsprung ausruhen. Der Argentinier holte zwar auf, doch die Beine des Leverkuseners waren zum Schluss schneller. Das lässt auf eine gute Vorbereitung schließen. Doch Sturm war kaum vorbereitet. Er war erst am Dienstag für Bert Schenk eingesprungen. Der ehemalige Weltmeister hatte sich im letzten Sparring verletzt und musste absagen.

Vor drei Jahren wurde Felix Sturm Europameister der Amateure – damals noch unter dem Namen Adnan Catic. Aus Catic wurde Sturm, und nach nur 19 Kämpfen im Profilager mutierte er plötzlich zum neuen Hoffnungsträger für Klaus-Peter Kohl und seinen Boxstall Universum.

Kohl konnte mit dem unerwarteten Sieg Sturms die eigentliche Schlappe des Abends verkraften. Die erlitt der Berliner Michel Trabant im Hauptkampf. Der Weltergewichtler stand dem 30-jährigen Amerikaner Jose Antonio Rivera im WM-Kampf des Weltverbandes WBA gegenüber und verlor nach Punkten. Trabant, den Kohl als neuen Topboxer pushen wollte, stand unerwartet im Schatten des Vorkämpfers Felix Sturm. Das Unglück begann acht Sekunden vor Ende der zweiten Runde. Da traf der gebürtige Puerto-Ricaner den Berliner mit einem rechten Haken so hart am Kopf, dass der 25-Jährige zu Boden ging. „Das war schon ein ziemlicher Kracher. Ich habe den Schlag gar nicht gesehen“, sagte Trabant. Später fing er sich, doch die Entscheidung war gefallen.

Nun steht Trabant, mit 16 Jahren einst jüngster Profiboxer aller Zeiten, ohne Titel da. Für den Kampf musste er seinen vor einem Jahr geholten EM-Titel niederlegen. „Mit 21 bin ich Weltmeister“, hat Trabant keck gesagt, als er bei Kohl vor neun Jahren einen Profivertrag unterschrieben hatte. Nun muss er noch weiter warten.

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