Sport : Ein erster Schritt

Helen Ruwald

Sonderlich gut war die Vorbereitung der Skyliners Frankfurt nicht auf ihren Gegner, den Deutschen Basketballmeister Alba Berlin. Sogar die eigene Heldentat, die zur Wiederholung hätten animieren können, vergaßen die Hessen. In der Hallenzeitung waren die vier Frankfurter Niederlagen in der Bundesliga gegen Alba seit Gründung der Skyliners vor zwei Jahren aufgeführt. Play-off-Spiele wurden nicht genannt - und damit auch nicht der 87:75-Sieg des eigenen Teams im zweiten Viertelfinalspiel im April dieses Jahres. Dabei war dieser Sieg bemerkenswert, schließlich ging Alba in der Bundesligasaison 2000/2001 nur zweimal als Verlierer vom Platz. Der Hallensprecher kündigte Alba am Sonntag in der Ballsporthalle als das Team an, das vor einer Woche Leverkusen 66:72 unterlegen war. Tatsächliches Endergebnis: 72:77.

Die Leute im Hintergrund hatten Probleme, mit Albas Niederlagen umzugehen, die Spieler damit, die Negativserie der Berliner auszubauen. Alba ging gegen den bisherigen Tabellenführer und Bologna-Bezwinger erstmals seit langer Zeit als Außenseiter aufs Feld - und gewann 84:73 (38:40). Der Tabellenfünfte konnte mit dem Druck des Gewinnenmüssens besser umgehen als der Gastgeber mit dem Druck, den das plötzliche Favoritendasein mit sich brachte.

"Das war ein Spiel, das Nerven gekostet hat. Alba musste unbedingt gewinnen. Es war kein spektakulärer Sieg, die Berliner haben ihn sich erarbeitet", sagte Zuschauer Svetislav Pesic, der frühere Alba-Coach, der jetzt den neuen Tabellenführer Rhein Energy Cologne trainiert, "viel hing von den Würfen von außen ab. Alba hat am Ende in den entscheidenden Momenten getroffen, Frankfurt nicht." 56:56 stand es nach dem dritten Viertel. Im letzten Abschnitt machte Wendell Alexis 9 seiner 26 Punkte, darunter ein Dreipunktewurf und vier Freiwürfe. Marko Pesic erzielte 10 seiner 20 Zähler im Schlussviertel. In dieser entscheidenden Phase verwandelte er sieben von acht Freiwürfen. Zuletzt hatten die Hände der Berliner gerade in solchen Situationen noch arg gezittert. Ein Stück der alten Souveränität ist zurück. Der Sieg vergangenen Mittwoch in der Euroleague gegen Charleroi hatte dem Meister das dringend benötigte Selbstbewusstsein für die Bundesliga vermittelt. Außerdem konnte sich Alba endlich wieder auf seine Verteidigung verlassen und zeigte unter dem Korb gewohnte Stärke. Zweieinhalb Monate nach Saisonbeginn hat das Team offenbar seinen Rhythmus gefunden.

In der Länderspielpause zwischen den Niederlagen gegen Köln und Leverkusen habe die Mannschaft sehr gut trainiert, hatte Kapitän Henrik Rödl gesagt. Die angeschlagenen Akteure bekamen eine Verschnaufpause, physisch gestärkt trat Alba gegen die Bayer Giants an. Wenn Derrick Phelps nicht krank vom Feld gegangen wäre, "hätten wir schon da gewonnen", sagte Rödl damals.

Rosig sieht die Situation aber immer noch nicht aus. Alba bleibt Fünfter, dicht gefolgt von Gießen, Hagen und Bamberg. Der Abwärtstrend ist vorerst gestoppt. Mehr nicht. Ob die Krise überwunden ist, wird sich gegen Maccabi Tel Aviv (Donnerstag) und Bonn (Samstag) zeigen. "Wir haben gegen Frankfurt erst 60 bis 70 Prozent von dem gezeigt, was wir können", sagt Marko Pesic. Was heißen kann, dass sich Alba noch gehörig steigert. Oder dass gegen ein Spitzenteam die nächste Pleite folgt.

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