Sport : Ein erster Vorstoß

Helmut Schümann

über den Angriff von Premiere auf die Fußball-Kultur Es ist eine Frage des Preises, alles ist eine Frage des Preises. Reichen 40 bis 50 Millionen Euro allein für das Recht, die Bundesliga schon bald „Premiere-Bundesliga“ nennen zu dürfen? Und geht es überhaupt darum, oder steckt hinter dem Angebot des Abo-Senders nicht noch viel mehr, nämlich eine Revolution hiesiger Fußball-Sehgewohnheiten? Dass Premiere die Exklusivrechte an allen Übertragungen der Bundesligaspiele haben möchte, ist kein Geheimnis. Dass sich der deutsche Fußball noch ziert, weil er den Aufschrei der Traditionalisten fürchtet, die den Fußball im öffentlich-rechtlichen Fernsehen behalten wollen, weil er dort immer schon war, ist auch kein Geheimnis. Andererseits will der deutsche Fußball wieder konkurrenzfähig werden, und das geht nur mit sehr viel Geld. Sehr viel Geld wird es von Premiere nur geben, wenn der Sender möglichst viele Spiele übertragen kann. Nicht zeitgleich, sondern mit hohen Einschaltquoten für viele einzelne Spiele. So ist es etwa in England, und so haben die englischen Klubs den deutschen auf europäischem Terrain den Rang abgelaufen.

Das wissen die Fernsehmacher, das wissen die Klubs. Dass das Angebot für das Namensrecht jetzt kommt, ist kein Zufall. Es ist Boomzeit im Fußball, im Frühherbst steht auch das Paket mit den Fernsehrechten zum Verkauf. Das wurde schon auf eine Milliarde Euro taxiert. Die oder eine annähernde Summe wird die Liga nur bekommen, wenn sie einer Splittung des Spieltages zustimmt. Und so ist das kleine Paket für das Namensrecht dann zu verstehen: Ein erster Vorstoß ist dies, eine Attacke auf die Exklusivrechte. Und das ist dann ein deutliches Indiz dafür, dass wir in der laufenden Saison Abschied nehmen müssen/können/dürfen von den alten Sehgewohnheiten.

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