Sport : Ein Europameister will lernen

Griechen wirken vor ihrem ersten Spiel verunsichert

Oliver Trust

Leipzig - Im „Renaissance Hotel“ in Leipzigs Innenstadt geht es beschaulich zu. Dass dort der Fußball-Europameister Griechenland logiert, dessen sportliche Bilanz durch schwache Ergebnisse in der WM-Qualifikation in Schieflage geraten ist, ist kaum zu spüren. Genauso wenig wie eine Spur von Aufregung vor dem ersten Spiel der Mannschaft von Otto Rehhagel beim Confed-Cup in Leipzig heute gegen den fünfmaligen Weltmeister Brasilien (20.45, live im ZDF).

Otto Rehhagel verdeutlicht dabei wieder einmal, dass er die Kommunikation mit der Außenwelt nicht unbedingt für dringend erforderlich hält. Statt den versammelten Journalisten aus aller Welt wenigstens einmal einen „deutschen“ Griechen zu präsentieren, beorderte der Nationaltrainer lieber die Hinterbänkler zur offiziellen Pressekonferenz. Weder der beim 1. FC Kaiserslautern spielende Ioannis Amanatidis noch der ehemalige Bremer Angelos Charisteas von Ajax Amsterdam sollten über teamrelevante Befindlichkeiten plaudern. Am Rande hört man, man hätte Angst vor einer deftigen Niederlage gegen Brasilien. Nur wohldosiert dringen Statements nach außen. Sie hätten schon so viel erreicht und deshalb keine Furcht vor einem Gegner wie Brasilien, heißt es. „Ich träume von einer WM-Teilnahme in Deutschland“, sagt Amanatidis. „Wir haben noch nicht aufgegeben.“

Amanatidis meint die bedrohliche Situation in der WM-Qualifikation. Dort braucht es für die Griechen nach der Niederlage gegen die Ukraine inzwischen ein kleines blau-weißes Wunder. Wenigstens das leidige Thema der Prämie für den EM-Titel ist inzwischen im Archiv gelandet. Von der versprochenen Million pro Mann haben die Spieler „nur“ 750 000 Euro bekommen. Deshalb hatte es einen Aufstand gegeben und allerlei Geschichten über zwielichtige Praktiken im griechischen Fußball. Trainer Otto Rehhagel kümmert sich um derlei Dinge nicht. Er sagt, dass auch ein Europameister das Recht habe zu lernen. Und dann erzählt er doch lieber von der Magie des Teamgeistes, der immer noch das Herz berühre.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben