Sport : Ein Fall für Hobbypsychologen

Uli Hoeneß, der Manager vom FC Bayern München, erzählt die Geschichte immer wieder gerne: Wie am Heiligen Abend im Hause Hoeneß ein neues Tipp-Kick-Spiel unter dem Weihnachtsbaum lag, wie der Uli den damals noch kleinen Dieter beim brüderlichen Duell meistens besiegt hat, der Dieter daraufhin ausrastete und dem Uli das Spiel um die Ohren schlug. Im nächsten Jahr gab es dann ein neues Tipp-Kick-Spiel.

Ob es damals, in den beginnenden wirtschaftswunderlichen Zeiten, wirklich so war, wissen nur die Beteiligten. Doch Dieter Hoeneß, Manager von Hertha BSC, hat seine Version des Geschehens bisher nicht kundgetan. Vielleicht würde er erzählen, dass er immer gewonnen hat. Aber die objektive Wahrheit ist ohnehin nebensächlich. Die Geschichte ist subjektiv wahr, weil sie schön ist. Weil sie offensichtlich die Grundzüge des aktuellen Hoeneßschen Verhältnisses mit frühkindlicher Prägung zu erklären vermag. Für die Öffentlichkeit ist die Sache doch längst eindeutig: Uli Hoeneß war der bessere Tipp-Kicker, der bessere Fußballer, und er ist natürlich auch der bessere Manager. Wo immer Dieter Hoeneß erst hinwill, ist Uli schon längst gewesen. Der gemeine deutsche Hobbypsychologe neigt daher dazu, Dieters Antrieb in einem gewaltigen Minderwertigkeitsgefühl seinem Bruder gegenüber zu vermuten. Mag sein, dass dies so ist, aber was treibt denn die 16 anderen Bundesligamanager, wenn nicht der Gedanke, so erfolgreich zu werden wie Uli Hoeneß, der Erfolgreichste von allen?

Heute spielen Hoeneß und Hoeneß nicht mehr Tipp-Kick zusammen, sondern Golf. Manchmal will Uli einen Spieler von Dieter, und meistens bekommt er ihn dann auch - so wie Sebastian Deisler. Dafür darf Dieter ab und zu für viel Geld einen Spieler von den Bayern kaufen, den Uli nicht mehr gebrauchen kann, Ali Daei zum Beispiel. Carsten Jancker, den Dieter auch gerne hätte, kriegt er vorerst nicht. Das ist das Resultat der jüngsten Golfrunde in Marbella. Zehn Millionen Euro wollte Uli für Jancker haben. Zu viel für Dieter und Hertha. Den Golfschläger hat er seinem Bruder trotzdem nicht um die Ohren gehauen.

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