Sport : Ein Fan des Gegners

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Von Christoph Kieslich

Freiburg. Man könnte sagen, es ist ein weitaus weniger heftiger Interessenkonflikt im Vergleich zu Huub Stevens, der als Trainer mit Schalke 04 im Berliner Olympiastadion an künftiger Wirkungsstätte auftaucht und eigentlich nur verlieren kann. Da Andreas Rettig jedoch weder die Aufstellung des 1.FC Köln verantwortet, noch fürs Toreschießen zuständig ist, kann er es sich leisten, einfach nicht ins Stadion zu gehen, wenn heute der SC Freiburg im Müngersdorfer Stadion antritt. Da spielt der Verein, bei dem er bis vor einem Monat noch als Manager angestellt war, gegen seinen neuen Klub. Dabei geht es um nicht weniger als die Existenz in der Ersten Bundesliga.

Rettig will am liebsten irgendwo ein anderes Spiel beobachten. „Ich will nicht, dass die für beide Klubs so wichtige Begegnung zur Personalie Rettig verkommt“, sagt er. Die Funkstille, die zwischen Rettig und dem Freiburger Trainer Finke herrscht, wird allerdings überinterpretiert. Natürlich traf der eilige Abgang Rettigs die Freiburger mitten in der gewaltigsten Negativserie des Vereins. Aber was soll sich Finke auch jetzt noch regelmäßig mit Rettig austauschen? Eher sind es Einlassungen von Rettig im Fernsehen bei Sandra Maischberger über das Wohl und Weh des SC, die sein ehemaliger Arbeitgeber für unangemessen befand. Oder das Kuweit-Länderspiel am 8. Mai, das Rettig noch ins Freiburger Dreisamstadion geholt hatte. Der Versuch des SC, das Länderspiel mit einer besseren U-21-Auswahl des DFB (Leverkusener, Schalker und Dortmunder sind noch in DFB-Pokal und Europapokal beschäftigt) gegen einen viertklassigen Gegner noch an eine andere Stadt weiterzureichen, wurde vom DFB abgelehnt. Andreas Bornemann hat sich der Sache angenommen und telefoniert auch noch hier und da mit seinem Vorgänger. Auf ein Kölsch haben sich die beiden an diesem Wochenende verabredet, und der mit 30 Jahren jüngste Bundesligamanager wird Rettig da seine hautnahen Eindrücke vom Spiel schildern können.

„Lieber Freiburg als Nürnberg“ hat Rettig die Frage beantwortet, welcher Verein nicht absteigen soll. Um hinterherzuschicken: „Aber am liebsten ist mir natürlich, wenn der 1.FC Köln nicht absteigt.“ Er rechnete bei seinem Wechsel nach Köln nicht mehr damit, dass im Aufeinandertreffen des alten und neuen Vereins noch die theoretische Möglichkeit des Klassenerhalts bestehen würde. „Ich gehe davon aus, nächste Saison bei einem Zweitligisten zu arbeiten“, sagte Rettig damals. Jetzt hat Köln zumindest noch eine minimale Chance auf den Klassenerhalt. Wird heute alles entschieden, kann Rettig vor dem letzten Spieltag getrost wieder Freiburg zur Herzensangelegenheit machen. Denn auf dem Boulevard macht man sich schon ein bisschen lustig über den vielleicht ersten Doppelabsteiger als Bundesliga-Manager.

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