Sport : Ein Finalsieg für 96 000 Euro? Neue Vorwürfe belasten den THW Kiel

Erik Eggers

Hamburg - Die neuesten Entwicklungen entsetzen Dieter Hein. Er ist Vorsitzender des THW Kiel e.V., als solcher vertritt er den Verein als Gesellschafter bei der THW Kiel Handball-Bundesliga GmbH & Co. KG. Selbstverständlich weiß er um die Wirkung der aktuellen Schlagzeilen in dem vermeintlichen Bestechungsskandal, die den deutschen Rekordmeister seit einer Woche betreffen. „Es müssen endlich Beweise auf den Tisch“, sagte Hein. Deshalb gab sein Verein gestern bekannt: „Der THW Kiel wird Anfang nächster Woche die notwendigen rechtlichen Schritte gegen Personen ergreifen, die solche verleumderischen Gerüchte erfinden oder verbreiten.“

Kiel soll laut „Spiegel“ mindestens zehn Spiele der Champions League verschieben haben lassen, unter anderem das Finalrückspiel 2007 gegen die SG Flensburg-Handewitt, als die Kieler erstmals die Champions League gewannen. Das Magazin beruft sich auf einen Gesellschafterbeschluss des Bundesligisten Rhein-Neckar Löwen. Demnach haben die Gesellschafter von einer Beschäftigung von Trainer Zvonimir Serdarusic abgesehen, weil dieser und THW-Manager Uwe Schwenker Schiedsrichterbestechungen begangen haben sollen.

Serdarusic, der in Kiel 2008 nach 15-jähriger erfolgreicher Tätigkeit beurlaubt worden war, hatte im Dezember einen Dreijahresvertrag bei den Löwen unterschrieben, diesen Vertrag aber am 25. Februar aus gesundheitlichen Gründen wieder aufgelöst. Serdarusic soll laut „Spiegel“ vor dieser Vertragsaufhebung weitere Details genannt haben. Er habe Kenntnisse gehabt von Bestechungsversuchen und vollzogenen Bestechungen, er soll auch dabei mitgewirkt haben. Dabei soll er Mittelsmänner genannt und Kontoauszüge präsentiert haben. Das Champions-League-Finalrückspiel 2007 soll laut Angaben von Serdarusic 96 000 Euro gekostet haben. Serdarusic hatte diese Vorwürfe – wie auch Uwe Schwenker – stets abgestritten. Der Geschäftsführer der Handball-Bundesliga, Frank Bohmann, glaubt, dass nur die Justiz diesen Fall aufklären kann. „Wir sind am Ende angelangt“, sagte er, „das hat eine Qualität erreicht, die wir als HBL nicht leisten können.“ Erik Eggers

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