Sport : Ein Freund, ein zu guter Freund

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Vielleicht verriet nie eine Szene mehr über den Fußballtrainer José Mourinho als diese in jener Nacht von Madrid: Niedergeschlagen lehnt der seit seinem Kopfstoß gegen Zinedine Zidane als Bösewicht reüssierende Marco Materazzi an einer Wand im Inneren des Estadio Santiago Bernabéu. Tränen fließen über sein Gesicht, obwohl Materazzi erst wenige Augenblicke zuvor die Champions League gewonnen hat. Eine Limousine hält an, es steigt ein Mann aus und nimmt Materazzi in den Arm. Der Mann ist Jose Mourinho.

Es gibt kaum einen Trainer auf so hohem Niveau, der es wie Mourinho versteht, eine Mannschaft hinter sich zu bringen. Mourinho fordert viel, wird aber zum väterlichen Freund für alle, die mitziehen. In jenem Moment von Madrid wussten Spieler und Trainer, dass ihre gemeinsame Zeit zu Ende geht und Materazzi war untröstlich. Wie dem Verteidiger ist es vielen Spielern bei Inter gegangen. Seit dem Abschied des Portugiesen vor etwas mehr als einem Jahr konnten sie sich auf keinen anderen Trainer mehr einlassen. Der am Mittwoch entlassene Gian Piero Gasperini war bereits der dritte Coach, der sich innerhalb von 14 Monaten bei Inter Mailand versuchen durfte. Ob Rafael Benitez, Leonardo oder jetzt Gian Piero Gasperini – Mourinhos Fußstapfen sind einfach zu groß. Im Erfolgsfall ist dessen Draht zu den Spielern ein großes Pfand. Verlässt der streitbare Trainer aber den Klub, wird es schwierig. Diese Erfahrung mussten auch die Verantwortlichen beim FC Chelsea machen. Als Mourinho 2007 entlassen wurde, sollen in der Kabine ebenfalls reichlich Tränen geflossen sein. Anschließend kamen fünf verschiedene Trainer, keine Laufkundschaft, Größen wie Luis Felipe Scolari, Guus Hiddink oder Carlo Ancelotti waren darunter. Wirklich angekommen ist aber keiner von ihnen.

Mourinhos jetziger Klub Real Madrid dürfte also gewarnt sein. Von einigen Spielern der Spanier heißt es, sie würden für ihren Trainer alles tun. Für die Zeit nach Mourinho ist das kein gutes Zeichen.

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