Sport : Ein Fußballfest am frühen Morgen

Beim 4:1-Sieg über Südkorea benötigt Argentinien gar keine Wundertaten von Lionel Messi – es hat ja den dreifachen Torschützen Higuain

Higuain, Higuain, Higuain!
Higuain, Higuain, Higuain!Foto: dpa

WM und Schule, dass passt irgendwie nicht zusammen. Schon gar nicht, wenn auch noch die eigene Mannschaft spielt. Denn als Schiedsrichter Frank de Bleeckere das Spiel zwischen Argentinien und Südkorea in Johannesburg anpfiff, war es in Buenos Aires halb neun in der Früh. Um diese Zeit beginnt normalerweise der Schulunterricht, aber weil vermutlich eh niemand erschienen wäre, entschied das argentinische Kultusministerium kurzfristig, dass am Donnerstag der Unterricht in allen Schulen des Landes erst beginnt, wenn Argentiniens Spiel gegen Südkorea beendet ist.

Nach dem 4:1 (2:1)-Sieg der Argentinier dürfte es ein entspannter Tag in den Schulen des Landes geworden sein, denn die Mannschaft von Trainer Diego Maradona hatte nicht nur ihren zweiten Sieg im zweiten Spiel bei dieser WM errungen, sondern auch über weite Strecke eine starke Leistung geboten. Mit sechs Punkten ist den Argentiniern der Achtelfinaleinzug nur noch theoretisch zu nehmen.

Bereits nach einer guten Viertelstunde ging Argentinien in Führung. Einen von Messi getretenen Freistoß lenkte der Südkoreaner Park unglücklich mit dem Schienbein ins eigene Tor. Die frühe Führung gab Argentinien viel Sicherheit, der Mannschaft war das Fehlen des Mittelfeldstrategen Juan Sebastian Veron nicht anzumerken. Der 35-Jährige musste mit einer Wadenverletzung zuschauen. Für Veron hatte Maradona Liverpools Maxi Rodriguez aufgeboten. Wohl dem, der solche Alternativen hat.

Neben Sicherheit brachte die frühe Führung den Argentiniern zudem die Erkenntnis, dass die Abwehr der körperlich unterlegenen Südkoreaner vor allem mit hohen Bällen in Verlegenheit zu bringen war. Immer wieder versuchten Messi und Co. mit Flanken, ihren Mittelstürmer Gonzalo Higuain in Position zu bringen. Dieser fühlte sich dabei sichtlich wohl. Als Nicolas Burdisso einen Flankenball verlängerte, war Higuain zur Stelle und traf per Kopf zum 2:0. Bis dahin war Argentinien derart überlegen, dass wohl kaum einer der 82 174 Zuschauer im Stadion damit rechnete, dass Südkorea noch einmal ins Spiel zurückfinden könnte. Dass es anders kam, lag aber nicht an den Spielern von Trainer Huh Jung-Moo, sondern an den Argentiniern selbst. Martin Demichelis vertändelte kurz vor dem Halbzeitpfiff leichtfertig den Ball, anschließend hatte der von ihm unbemerkt herannahende Lee Chung-Yong keine Mühe, den Anschlusstreffer für den Außenseiter zu erzielen. Und hätte Yeom Ki-Hun nach gut einer Stunde völlig freistehend vor Argentiniens Torhüter Sergio Romero den Ausgleich gemacht – wer weiß, vielleicht wäre es doch noch ein trister Schultag für die Kinder in und um Buenos Aires geworden.

Es dauerte einen kurzen Moment, bis Argentinien nach diesem Schreck wieder zur alten Kombinationssicherheit zurück fand. Diego Maradona versuchte es in dieser Phase mit psychologischen Spielchen, indem er immer wieder probierte, mit seinem Gegenüber Huh Jung-Moo Kontakt aufzunehmen. „Ehrlich gesagt habe ich nicht verstanden, was Maradona versucht hat, mir zuzurufen. Ich war zu weit weg“, sagte Huh Jung-Moo hinterher.

Kurz darauf fand Argentinien aber wieder zu alter Stärke und Südkoreas Schlussmann Jung Sung-Ryong musste mehrmals in höchster Not gegen Carlos Tevez, Lionel Messi oder Gonzalo Higuain retten. „Wir haben es geschafft, unseren Stil zu spielen“, freute sich Higuain. Entscheidend waren dabei vor allem Lionel Messi und der großartig aufspielende Carlos Tevez. Die Lücken, die beide in die südkoreanische Abwehr rissen, nutzte Sturmkollege Gonzalo Higuain konsequent. Der Angreifer von Real Madrid erzielte in der Schlussphase mit seinen Treffern zwei und drei an diesem Tag den 4:1-Endstand. Tsp

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