Sport : Ein ganz normaler Platzverweis Bayern schlägt Gladbach und verliert Ismael

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München Von außen leuchtete die Arena in derart grellem Rot, als wollte sie dem Mars Konkurrenz machen, ohnehin gäbe das häufig mit einem Ufo verwechselte Stadion eine passable Figur im Weltraum ab. Nach den Ausführungen von Uli Hoeneß und Felix Magath musste man zudem glauben, ein Außerirdischer habe sich am Freitagabend hineingeschlichen und irrtümlich Regie über das Geschehen erlangt; für die Leistungen des Berliner Schiedsrichters Manuel Gräfe hatten sie außer allerlei uncharmanten Kommentaren nicht viel übrig. So empfahl Bayerns Trainer Magath dem DFB, zu solch brisanten Spielen künftig erfahrenere Referees zu schicken, während der Manager darauf bestand, es gebe keine jungen oder alten Schiedsrichter, sondern nur gute oder schlechte. Gräfe, 31, zählte er offenbar nicht zu den guten und hatte dafür auch eine Erklärung: „Vielleicht war der ein bisschen zu lange im Trainingslager.“

Es war gedämpfter Zorn, der aus den Worten der beiden sprach, schließlich hatte die Punktspiel-Premiere im neuen Stadion nach keineswegs reibungslosem Ablauf mit einem letztlich souveränen 3:0 über Mönchengladbach geendet, doch vor allem die Gelb-Rote Karte für Neuzugang Valerien Ismael noch in der ersten Halbzeit hatte sie zwischenzeitlich ziemlich in Rage versetzt. Verständlich war ihr Ärger über ein nicht geahndetes Handspiel des neuen Gladbachers Thomas Helveg, der damit eine Torchance vereitelte. Der Fehler lag allerdings bei Gräfes Assistent an der Seitenlinie, der beste Sicht auf das Geschehen und die Fahne doch unten gelassen hatte.

Der Platzverweis dagegen war berechtigt, Ismael war bereits verwarnt, als er sich im Sprint gegen Olivier Neuville mit dem Griff eines Tauziehers in dessen Trikot festhakte und es nur deshalb nicht riss, weil es zu 100 Prozent aus Polyester besteht. „Ein ganz normaler Zweikampf“, befand Ismael hinterher, wobei es vor allem ein ganz normaler Platzverweis war, woran auch die Tatsache nichts änderte, dass es „bis dahin überhaupt kein unfaires Spiel“ war, wie Hoeneß einwandte – in jenem Moment war es eines.

Während der unglückliche Debütant das Erlebte noch am Abend abhakte („Für mich ist das nur eine Geschichte mehr in meiner Fußballer-Laufbahn“) und sich angesichts der kämpferischen Darbietung seiner Kollegen an den positiven Nebeneffekten erfreute („Man hat daran gesehen, dass Bayern eine große Mannschaft geworden ist mit einem schönen Teamgeist.“), blickte Magath einen Tag später aufgeräumt in die Zukunft: „Es ist kein Problem für uns, einen Spieler für ein Spiel zu ersetzen.“ Je nachdem, wie man diesen Satz betont, lässt sich sehr wohl ein mögliches Problem heraushören: Für ein Spiel ist es nicht schwer, Ersatz zu finden, Martin Demichelis steht bereit, doch längerfristig dürfte keiner der beiden Innenverteidiger ausfallen. Denn neben Robert Kovac ließen die Bayern auch Thomas Linke und Samuel Kuffour ziehen, weshalb kein weiterer Ersatz zur Verfügung steht. Gut möglich also, dass die Bayern bis zum Ende der Transferperiode am 31. August noch nachlegen. Dank des neuen Stadions haben sie noch ein Argument mehr, Spieler zum FC Bayern zu locken. dapo

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