Sport : Ein ganz normales Kampfspiel Kern schießt Rostock zum 3:2 gegen Cottbus

Karsten Doneck[Rostock]

Für Timo Rost lagen die Unterschiede klar auf der Hand. „Die machen die Dinger rein, wir nicht“, nörgelte der Mannschaftskapitän des FC Energie Cottbus. Rost hätte die Aussage auch noch präzisieren können: „Die hatten einen Enrico Kern, wir nicht.“ Dank drei Toren seines Stürmers Enrico Kern gewann der FC Hansa Rostock vor 20 000 Zuschauern das Bundesligaspiel gegen den Tabellenletzten Cottbus 3:2 (1:0).

Obwohl der FC Energie gestern doppelt soviel Tore erzielte wie in zehn Meisterschaftsspielen in Rostock zuvor, reichte es nicht zum bitter nötigen Punktgewinn im Abstiegskampf. „Wir waren die bessere Mannschaft“, maulte Energie-Torwart Gerhard Tremmel. Was den Cottbusern aber fehlte, war die Effizienz der Rostocker – eben der Kern. Hansas 1:0-Führung durch ihn resultierte aus dem ersten ernsthaften Schussversuch der Gastgeber in Minute 18. Dramatische Züge bekam sein zweiter Treffer: Gerade hatte Vragel da Silva das Cottbuser Bemühen um mehr Offensive nach der Pause mit dem Ausgleich belohnt, da tauchte keine 60 Sekunden später Kern schon wieder frei vor Torwart Tremmel auf. Geschickt lupfte er den Ball über den Cottbuser Schlussmann hinweg zum 2:1. Kerns drittes Tor zum 3:1 rundete seine Leistung ab. „Jetzt lade ich die Mannschaft zu McDonald’s ein und gebe für jeden ein Happy Meal aus“, sagte der Schütze danach. Hansa-Trainer Frank Pagelsdorf, von der Statur her alles andere als ein Kostverächter, wollte die Einladung nicht ausschlagen. Aber er fand auch kritische Worte für den Mann des Tages: „Er hat auch den einen oder anderen Fehler dabei gehabt, gerade im Zuspiel.“ Wie überhaupt Pagelsdorf bemängelte: „In unserem Spiel hat die Ruhe gefehlt, was die Ballpassagen anbelangt.“ Das wiederum ermöglichte den Cottbusern die leichten Feldvorteile in einem kampfbetonten, aber insgesamt wenig hochklassigen Spiel. „Nach dem 1:3-Rückstand war es schwer, ins Spiel zurück zu finden“, sagte Energie-Trainer Bojan Prasnikar. In letzter Minute gelang Ervin Skela mit einem Freistoß nur noch das 2:3. „Wir müssen jetzt zusehen, dass wir im nächsten Spiel etwas holen“, sagte Kapitän Timo Rost. Ein ehrgeiziges Vorhaben. Dann ist nämlich Werder Bremen der Gegner.

Von der befürchteten Brisanz des Spiels war wenig zu spüren: Fankrawalle blieben aus, und auch die Mannschaften verzichteten darauf, persönliche Animositäten auszuleben. Das Derby wirkte wie ein Stück Fußball-Normalität in Ostdeutschland.

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