Sport : Ein Gegner in zwei Akten

Ein Bundesliga-Sieg heute beim VfB Stuttgart würde Herthas Chancen am Mittwoch im Pokal erhöhen

Ingo Schmidt-Tychsen

Berlin - Wenn heute eine Fee in der Geschäftsstelle des Fußball-Bundesligisten Hertha BSC erscheinen würde, dann könnte Dieter Hoeneß Probleme bekommen. Denn was würde der Manager von Hertha BSC wohl tun, wenn er von der Fee vor die Wahl gestellt würde, seine Mannschaft könne heute in der Bundesliga beim VfB Stuttgart gewinnen – oder aber am Mittwoch im Viertelfinale des DFB-Pokals. „Da würde ich mich für den Pokal entscheiden“, sagt Hoeneß. „Aber das ist nur hypothetisch.“ Eine solch himmlische Fügung sei schließlich aus einem weiteren Grund unwahrscheinlich. „Das erste Spiel hängt ja mit dem zweiten zusammen“, sagt Hoeneß.

Gewinnt Hertha heute, dann erhöhen sich die Chancen auf einen Erfolg im zweiten Spiel. Das sieht auch der Sportpsychologe Werner Mickler so. „Wenn eine Mannschaft überzeugend siegt, hat sie bewiesen, dass sie es kann“, sagt Mickler, der am psychologischen Institut der Sporthochschule Köln arbeitet. „Dieses Gefühl muss dann festgehalten werden – vorausgesetzt der Sieg ist nicht glücklich zustande gekommen, zum Beispiel durch eine Fehlentscheidung des Schiedsrichters.“ Ein Erfolg im ersten Aufeinandertreffen bringe allerdings auch Gefahren mit sich, meint Mickler. „Man darf auf keinen Fall überheblich werden.“

Vor drei Jahren hatten sich die Berliner schon einmal in einer ähnlichen Situation befunden. Im Oktober 2003 spielte Hertha genau wie in dieser Saison zuerst in der Bundesliga und dann im DFB-Pokal gegen dieselbe Mannschaft. Auswärts bei Hansa Rostock. Einem 1:0-Sieg folgte ein 6:5 (2:2, 1:1) nach Elfmeterschießen. Pal Dardai stand damals in beiden Spielen in der Startelf. „Der erste Sieg war ganz wichtig für unser Selbstvertrauen im zweiten Spiel“, erzählt Dardai, der auch heute von Beginn an spielt. Die Mannschaft stand damals in Rostock enorm unter Druck. Trainer Huub Stevens hatte zuvor von neun Spielen keines gewonnen. Stevens musste zweimal siegen, um im Amt bleiben zu dürfen – darauf hatte sich die Vereinsführung verständigt.

Eine Niederlage im Spiel heute hätte keine derart dramatischen Auswirkungen. Diese könnten die Berliner anschließend mit einer Siegesserie wieder gutmachen, glaubt Dardai. „Ich freue mich auch schon, wenn wir 70 oder 90 Minuten lang guten Fußball spielen. Das wäre ein Fortschritt“, sagt der 30 Jahre alte Mittelfeldspieler. Im Pokal wiederum ist Dardai die Spielkultur nicht wichtig. „Da können wir auch richtig mies spielen, Hauptsache wir kommen weiter.“ Hertha würde zum ersten Mal seit 1981 ins Halbfinale einziehen, abgesehen von den Amateuren, die 1993 das Finale erreichten. Ein Einzug der Profimannschaft in das Finale würde laut Manager Hoeneß „Dämme brechen“. Gewonnen haben die Berliner den DFB-Pokal noch nie.

Andreas Neuendorf würde die Reihenfolge der beiden Spiele gerne umdrehen. „Ich hätte lieber das Pokalspiel zuerst, weil das für mich an erster Stelle steht. Wir werden das Bundesligaspiel deshalb aber nicht herschenken“, sagt Herthas Mittelfeldspieler. In der Hinrunde trennten sich die Berliner 2:2 vom VfB Stuttgart. Arne Friedrich und Marko Pantelic hatten die Tore erzielt.

Gestern ließ Trainer Falko Götz seine Mannschaft eine halbe Stunde lang unter Ausschluss der Öffentlichkeit trainieren. Sein Team soll noch einmal zur Ruhe kommen wegen der bevorstehenden wichtigen Aufgaben. „Wir haben Dinge trainiert, die nicht jeder sehen sollte“, sagte Götz. Hinweise auf die Startelf gegen Stuttgart ergaben sich auch anschließend nicht, weil Götz seine jungen gegen seine alten Profis spielen ließ. Unmittelbar nach der Trainingseinheit reiste die Mannschaft nach Stuttgart. Dort wird sie zwei Nächte bleiben, am Samstag aber wieder nach Berlin zurückfliegen, bevor es am Dienstag wieder nach Stuttgart geht. Zwischen den beiden Siegen 2003 in Rostock war die Mannschaft ebenfalls wieder nach Berlin gereist. Im Fußball spielt Aberglaube eine wichtige Rolle. Auch wenn Dieter Hoeneß nicht an gute Feen glaubt.

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