Sport : Ein Geheimnis für die Welt

Ein riesiges Spektakel wird die Spiele eröffnen

Benedikt Voigt

Peking – Pekinger Autofahrer sollten heute ab 20 Uhr die Brücken Beichen Qiao und Anhui Qiao weiträumig umfahren. Auf ihnen werden sich viele tausend Chinesen versammeln, um der olympischen Eröffnungsfeier im rund 500 Meter entfernten Nationalstadion zumindest räumlich nahe zu sein. Dreieinhalb Stunden später werden sie direkt an der Eröffnung der Olympischen Spiele 2008 teilhaben können: wenn über ihren Köpfen ein spektakuläres Feuerwerk mit 29 000 Sprengkörpern den Himmel über Peking erleuchtet.

Die heutige olympische Eröffnungsfeier (ab 14 Uhr, live in der ARD) wird ein gigantisches Spektakel. „Wahnsinn, viel besser als bei den Spielen in Athen“, sagt ein Augenzeuge einer von drei Probe-Eröffnungen. Er musste unterschreiben, über den Inhalt der Eröffnungsfeier zu schweigen. Das Programm des chinesischen Starregisseurs Yang Zhimou wurde bis zuletzt strengstens geheim gehalten. Den Mitwirkenden droht eine Gefängnisstrafe, wenn sie Elemente der Eröffnungsfeier verraten. Trotzdem ist es in der vergangenen Woche einem südkoreanischen Fernsehteam gelungen, Teile der Proben zu filmen. Es musste sich beim empörten Pekinger Organisationskomitee entschuldigen.

„Die Darsteller haben eine Leidenschaft, die in die Welt strahlen wird, indem sie den 90 000 Zuschauern im Nationalstadion und den unzähligen Menschen draußen eine spektakuläre Darbietung bieten werden“, sagt Zhang Heping, Pekings Verantwortlicher für die Eröffnungs- und Schlussfeier. Die 20 000 Darsteller setzen sich aus professionellen Künstlern, Studenten und Soldaten zusammen. Über das Programm sind trotz der Stillschweigevereinbarungen Informationen durchgedrungen: Nach einem Anfangsfeuerwerk werden Kisten in das Vogelnest geschoben, die als Trommeln und Lichtquellen dienen. Später werden sie zu einer großen Leinwand in Form einer Papyrusrolle zusammengeschoben, auf der die Geschichte Chinas zu sehen sein wird. Anschließend taucht eine Erdkugel aus dem Boden auf, auf der Performancekünstler turnen.

Auch der Einmarsch der Nationen wird ungewöhnlich. Er findet in der Reihenfolge der Ländernamen im chinesischen Lexikon statt, geordnet nach der Anzahl der Striche, die für das jeweilige Zeichen benötigt werden. „Deguo“, Deutschland, besteht aus ziemlich vielen Strichen (insgesamt 23), weshalb die deutschen Athleten hinter ihrem Fahnenträger Dirk Nowitzki als siebtletztes Team einlaufen werden. Ganz am Schluss kommen die Gastgeber. Die chinesische Mannschaft wird vom Basketballer Yao Ming, Center des NBA-Klubs Houston Rockets, angeführt.

Andere verzichten auf den Einmarsch. Die Judoka Anna von Harnier aus sportlichen Gründen: „Vier Stunden Warten ist zu anstrengend, außerdem bekommt man dabei von der Feier gar nicht so viel mit“, sagt sie. Die Fechterin Imke Duplitzer aus politischen Gründen. Sie will morgen Abend im olympischen Dorf in aller Ruhe ein Bier trinken gehen und ein spannendes Buch lesen.Benedikt Voigt

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