Sport : Ein Geldkoffer für den Torhüter

In der zweiten spanischen Liga gehören Schmiergelder inzwischen zum Alltag

Julia Macher[Barcelona]

Am zweiten Mai-Wochenende bewies Raúl Navas, was Reaktionsschnelle und Voraussicht bei einem Torwart ausmachen können. Tote, der Stürmer von Hercules Alicante, setzte über die rechte Flanke an; er hatte kaum den Ball berührt, da warf sich der Keeper des CF Cordoba dem Schuss entgegen. Nach rechts. Der Ball zog links an ihm vorbei. Noch drei weitere Male musste Navas, immerhin einer der besten Schlussmänner der zweiten spanischen Fußball-Liga, hinter sich greifen. Am Ende stand es 4:0 für Hercules, Navas trottete mit gesenktem Haupt vom Platz. Vielleicht um ein Grinsen zu verbergen. Denn womöglich hat ihn die Niederlage um 100 000 Euro reicher gemacht.

Die Telefongespräche, die die Tageszeitung „El País“ diese Woche veröffentlichte, zeigen nicht nur, dass beim kometenhaften Aufstieg von Hercules Alicante in die Primera Division in der zurückliegenden Saison kräftig nachgeholfen wurde, sondern auch, wie dreist in der zweiten Liga inzwischen generell geschmiert wird. „Das war der Hammer, Mann!“, prahlte Enrique Ortiz, Bauunternehmer und Hauptaktionär von Hercules laut Telefonprotokoll gegenüber einem Verwandten. „Nach dem Spiel sagten alle zu mir: Wenn ich nicht wüsste, was für ein Geizhals du bist, würde ich sagen, ihr habt den Torwart gekauft.“ Das Projekt Wiederaufstieg nach 14 Jahren zweiter Liga war dem Bauunternehmer und Hauptaktionär des Klubs wohl einiges wert: Ursprünglich wollte er nicht nur den Keeper, sondern gleich das ganze Team bestechen, mit 300 000 Euro, über seinen Mittelsmann Tote trug er dieses Angebot vor. Aber Cordoba wollte sich nicht kaufen lassen, ebenso wenig wie die Zweitligisten UD Salamanca und Recreativo Huelva. Über seine Homepage erklärte Hercules Alicante inzwischen, dass an den Vorwürfen nichts dran sei.

Und es ist gut möglich, dass die Ermittlungen im Sand verlaufen. Denn zum einen werden die bei Ermittlungen zu einem Müllskandal aufgetauchten Telefonprotokolle vom Gericht mit Hinweis auf die Privatsphäre der Beteiligten unter Verschluss gehalten, wogegen die Staatsanwaltschaft Einspruch erhoben hat. Zum anderen kann Schiebung im Sport in Spanien bisher noch nicht strafrechtlich verfolgt werden. Erst im Dezember tritt eine Gesetzesänderung in Kraft. Um dennoch Anklage erheben zu können, will die Staatsanwaltschaft jetzt untersuchen, ob durch die Manipulation Sportwetten oder Sportlotterien verfälscht wurden.

Nicht zum ersten Mal rückt die zweite spanische Liga ins Interesse der Justiz. Im Vergleich zur Primera Division sind Geld und öffentliches Interesse gering, stattdessen gibt es „maletas“ und „primas“, Koffer voller Geld und Prämien an Dritte. Klubs stellen den Gegnern eigener Rivalen für den Fall eines Sieges satte Belohnungen in Aussicht. Diese Praxis ist zwar nicht erlaubt, wird aber auch nicht geahndet – und hat sich längst zu einem effizienten Instrument der Schattenfinanzierung entwickelt. Das war auch bei Hercules Alicante lange so. Bis Enrique Ortiz die Praxis änderte. Gleich für Niederlagen zu zahlen, schien ihm wohl der bessere Weg.

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