Sport : Ein General steigt mit ins Boot (Kommentar)

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Kaum hatte der General sein Okay gegeben, war man beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC) schon obenauf. "Im Jahr 2000 werden wir das Dopingproblem in den Griff bekommen", erklärte IOC-Vizepräsident Dick Pound vollmundig, nachdem sich der Drogenbeauftragte des Weißen Hauses, General Barry McCaffrey, zur gemeinsamen Doping-Bekämpfung der USA und der Olympier bekannt hatte. Pound, der vom IOC als Vorsitzender der neu installierten Anti-Doping-Weltagentur (Wada) des IOC eingesetzt worden ist, war wohl noch voll Euphorie über den Coup. Denn bisher war McCaffrey stets als entschiedener Kritiker des IOC und dessen umstrittenen Präsidenten Juan Antonio Samaranch aufgetreten. Jetzt ist der Vier-Sterne-General mit im Boot beim IOC, das trotz der gerade beschlossenen Reformen verzweifelt um ein besseres Image kämpft. Zur rechten Zeit kam dieses Signal für Samaranch, der kurz darauf von einem US-Kongressausschuss gehört wurde, der sich mit der Korruption bei den Olympia-Vergaben von Atlanta 1996 und Salt Lake City 2002 beschäftigt.

So brachte der Trip nach Washington für den 79jährigen Spanier neben der peinlichen Befragung, die ihn in seiner Ehre tief verletzt hat, doch noch Positives. Mit dem Beitritt der USA scheint die letzte Hürde für die Weltagentur genommen. Zuvor hatte sich bereits die EU bereit erklärt, zwei der 32 Plätze im Aufsichtsrat zu besetzen. Das Gremium, das sich in einem Monat zum ersten Mal treffen wird, soll je zur Hälfte aus Vertretern der Politik und des Sports bestehen.

Sicher ist die Rückendeckung der Politik wichtig, aber Pounds Optimismus ist noch durch nichts begründet. Große Worte wurden genug gesprochen, doch jetzt müssen die Pläne in die Tat umgesetzt und Fachleute gefunden werden, die eine funktionierende, von allen anerkannte Organisation aufbauen. Es muss immer und überall Trainigskontrollen geben. Allein das zu erreichen, wird schon schwer genug.

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