Sport : Ein Genie braucht Beistand

Stuttgarts Alexander Hleb glaubt an einen Champions-League-Platz

Oliver Trust

Stuttgart. Angesichts von vier Punkten Vorsprung auf Borussia Dortmund rückt die Champions League für den VfB Stuttgart immer näher. „Darüber reden wir, wenn es so weit ist“, sagt Trainer Felix Magath vorsichtig, obwohl sein Team längst auch international bestehen könnte. Seit zwei Jahren spielt die Mannschaft fast unverändert zusammen. Die Mischung aus erfahrenen und jungen Fußballern stimmt wie die Harmonie. Die jungen Spieler entwickelten sich rasant weiter, Leistungsträger wie Krassimir Balakow und Zvonimir Soldo spielen auf einem konstant hohen Niveau. So ist auch der enorme Leistungsschub eines Alexander Hleb mit ein Verdienst von Balakow. „Ein Trainer allein kann das heute gar nicht mehr richten“, sagt Magath. Gerade der Weißrusse Hleb sei „ein ganz besonderer Typ“.

Der Mann ist ein Genie und braucht trotzdem Beistand. Ein bisschen Lebenshilfe dann und wann, ein wenig Rat auf dem Spielfeld von Zeit zu Zeit. „Irgendwann will ich in einer ganz starken Mannschaft spielen, Real Madrid oder Milan", sagt Hleb. Es sind die wilden Träume eines 21 Jahre alten Mannes aus Weißrussland. Die Anziehungskraft der großen Klubs aus Italien und Spanien lässt ihn nicht mehr los, seitdem er auf den Straßen von Minsk und „acht Jahre auf einem Aschenplatz mit Löchern“ trainiert hat. „Wir haben den ganzen Tag lang Fußball gespielt. Das hat mich abgehärtet.“ Und die harte Schule hat aus ihm einen der besten Techniker in der Bundesliga gemacht.

Heute schwärmt selbst Deutschlands Teamchef Rudi Völler vom Mann mit der Nummer 15 auf dem Trikot des VfB Stuttgart. „Dieser Junge ist sensationell und für mich der überragende VfB-Spieler“, sagt Völler. „Was der drauf hat, ist unglaublich“, sagt Ersatztorwart Frank Ernst. Was ihm fehle, ergänzt Balakow, sei die Konstanz. Den überragenden Auftritten wie gegen Leverkusen folgen andere, in denen Hleb kaum auffällt. „Er macht noch viele Fehler“, sagt Magath.

Hleb hat einen Vertrag bis 2006 und ist aus dem Stuttgarter Team nicht mehr wegzudenken. Trotzdem laufen am Neckar die Diskussionen, ob er der Richtige ist, um die Nachfolge von Balakow anzutreten, der im Sommer aufhört. Hleb ist der Einzige, der offen von der Champions League spricht. „Das ist mein Ziel.“ Er wäre enttäuscht, wenn der VfB nur Fünfter würde. „Wenn wir uns konzentrieren, schaffen wir jeden Gegner“, sagt er mit leuchtenden Augen.

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