Sport : Ein Gespenst namens Polen

England warnt vor der Historie und setzt auf dem Weg zur WM auf die Jugend.

London - Der Name Jan Tomaszewski ist in England derzeit allgegenwärtig. Obwohl er auf der aktuellen Kaderliste der polnischen Fußballnationalmannschaft gar nicht zu finden ist, löst er vor dem letzten Spieltag der Qualifikation zur Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien auf der Insel Angst und Schrecken aus. Vor 40 Jahren hatte der polnische Keeper im Wembleystadion beim damaligen 1:1 mit einer grandiosen Leistung fast im Alleingang dafür gesorgt, dass die Three Lions die Endrunde 1974 in Deutschland verpassten. Ganz England zittert nun davor, dass die Polen erneut zum Spielverderber werden könnten.

Die Ausgangslage in der Gruppe H ist klar: Spitzenreiter England benötigt unbedingt einen Sieg, um die direkte Qualifikation zu sichern. Bei einem Remis oder einer Niederlage würde Verfolger Ukraine wohl vorbeiziehen. Denn der Tabellenzweite hat bloß einen Zähler Rückstand und mit San Marino den leichtesten aller denkbaren Gegner. Als Gruppenzweiter müsste England dann in den Play-offs gegen einen weiteren europäischen Gruppenzweiten um das WM-Ticket kämpfen. Polen ist nach der 0:1-Niederlage in der Ukraine am Freitag aus dem Rennen. Montenegros Chancen sind nur noch theoretisch.

Englands Nationaltrainer Roy Hodgson warnt vor dem entscheidenden Duell am Dienstag vor dem „Spirit von ’73“. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass Polen den Fuß vom Gas nimmt. Sie sind eine sehr starke Mannschaft. Sie werden versuchen, das Spiel zu gewinnen und genau so ein gutes Ergebnis zu erreichen wie vor 40 Jahren“, sagte der 66-Jährige in der „Sun“. Ein Scheitern in der Qualifikation hieße, dass England nach Deutschland 1974, in Argentinien 1978 und 1994 in den USA zum vierten Mal fehlt.

Ein Selbstläufer wird die Partie im Wembleystadion nicht. Hodgson kennt die Qualitäten des Gegners: „Sie sind sehr gut organisiert und haben in Robert Lewandowski und Jakub Blaszczykowski zwei Weltklassespieler. Wir werden auf alles vorbereitet sein.“ Der polnische Stürmer Robert Lewandowski macht England auch wenig Hoffnung, dass seine Mannschaft die Qualifikation gemächlich auslaufen lassen wolle. „Wir kommen nach Wembley, um anzugreifen und Tore zu schießen“, sagte der Dortmunder im „Daily Star“.

Offensichtlich ermutigt vom Debüt des 22-jährigen Andros Townsend am Freitag beim 4:1 gegen Montenegro setzt Hodgson weiter auf den Nachwuchs. Für den verletzten Tom Cleverley und den gesperrten Kyle Walker nominierte er den 18-jährigen Rahmeel Sterling nach. Stürmerstar Wayne Rooney lobte den zuletzt wegen seiner übergroßen Vorsicht kritisierten Coach für seinen neuen Mut. „Wir haben einige vielversprechende junge Spieler im Kader. Das ist für die Zukunft spannend.“ Rooney zweifelt nicht daran, dass die bösen Geister von ’73 aus dem Wembleystadion vertrieben werden: „Am Dienstag kommen wir wieder und erledigen den Rest.“dpa

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