Sport : Ein gewisser Herr Petrovic

Alba gewinnt das erste Finale in Bamberg dank zweier Spieler, die beim Gegner nicht jeder kannte

Helen Ruwald

Bamberg. Ob die Basketballer des TSK Bamberg wohl vor dem ersten Play-off-Finalspiel um die deutsche Meisterschaft das Programmheft gelesen haben? Das würde erklären, warum einem gewissen Herrn Petrovic in der Anfangsphase des Spiels zwei Dreipunktewürfe gelangen und sein Team, Alba Berlin, 11:3 in Führung ging. Petrovic nämlich war den Machern des Programmhefts gänzlich unbekannt. Mit Nummer 12 führten sie nicht ihn auf, sondern John Celestand. Was insofern erstaunlich ist, als der seit einem Vierteljahr nicht mehr bei Alba unter Vertrag steht. Auch Jörg Lütcke und Henrik Rödl tauchten in der Aufstellung auf: Der eine ist seit Dezember wegen eines Kreuzbandrisses spielunfähig, der andere humpelt derzeit auf Krücken herum. Spielmacher DeJuan Collins wiederum fehlte in der Liste. Schlecht für Bamberg, denn der US-Amerikaner (17 Punkte/4 Rebounds) und Petrovic (16/8) waren neben Center Jovo Stanojevic (18/10) die besten Spieler beim 73:69-Sieg von Alba.

Entscheidend war, dass die Berliner sich in hitziger Atmosphäre nicht aus dem Konzept bringen ließen, auch nicht, als Bamberg kurz vor Schluss erstmals in Führung ging. In einer Halle, in der es so schwül war, dass Teambetreuer Eicke Marx den Spielern in einer Auszeit mit einem Handtuch Luft zufächelte und die Basketballer kaum mehr Luft bekamen. Dennoch gelang es ihnen, sich bis zum Ende zu konzentrieren – obwohl der Lärmpegel durch Tausende von Tröten und Rasseln so hoch war, dass sich selbst manche Bamberger Fans die Ohren zuhielten. Als Collins beim Stand von 69:70 Sekunden vor dem Ende an die Freiwurflinie trat, wedelten die Bamberger Fans hinter dem Korb mit Fahnen und Luftballons in Schlangenform, um den Berliner Spielmacher zu irritieren. Es funktionierte nicht. Collins traf, obwohl er bereits mehr als 38 Minuten eines harten Kampfes hinter sich hatte. Weil Mithat Demirel verletzt fehlte, war er alleiniger Spielmacher.

„Die Mannschaft hat die richtige Balance gefunden. Sie hat sich nicht durch Nickeligkeiten anstecken lassen, aber gleichzeitig die Aggressivität hochgehalten“, sagte Albas Vizepräsident Marco Baldi. „Wenn ein Bamberger Jovo Stanojevic den Ball gegen die Brust schießt, muss er sich einfach umdrehen und weggehen. Auch wenn er vorher vielleicht noch den Ellbogen reingekriegt hat.“ Weder Stanojevic noch irgendein Kollege ließen sich provozieren, sie sparten sich auch nutzlose Diskussionen mit dem Schiedsrichter. Noch in den Halbfinalspielen gegen Braunschweig hatte Trainer Emir Mutapcic kritisiert, dass Petrovic zu intensive Gespräche mit dem Schiedsrichter geführt hatte. Diese Zeiten sind vorbei.

Die Mannschaft verhielt sich so, wie Kotrainer Burkhardt Prigge es sich vorgestellt hatte. „Die Zuschauer dürfen Angst und Spaß haben, aber Trainer und Spieler müssen die Emotionen draußen lassen, sich auf ihre Aufgabe konzentrieren und in jeder Spielsituation eine neue Lösung suchen.“ Selbst nach dem Sieg jubelten die Berliner nicht. Vielleicht, weil sie zu erschöpft waren, vielleicht auch, weil sie wussten, dass es nur die 1:0-Führung ist. Gegen Braunschweig hatte Alba Partie Nummer eins hoch gewonnen – wenige Tage später stand es unentschieden. Jetzt allerdings kann es auch ganz schnell gehen: Gewinnt Alba die Endspiele zwei und drei am Mittwochabend und am Sonntag in der Max-Schmeling-Halle, deren Kapazität auf 10 000 Besucher erhöht wird, dann ist die Mannschaft Deutscher Meister.

Einer allerdings zeigte durchaus Emotionen. Nachdem Jovo Stanojevic das 63:62 geglückt war, hüpfte er in Richtung seiner Kollegen und ballte die rechte Faust. Ein für den effektiven, aber unscheinbar spielenden Jugoslawen ungeheurer Gefühlsausbruch. Einer, über den sich die Trainer gefreut haben dürften, hatte Mutapcic von seinem Center unlängst doch „mehr Feuer“ gefordert.

Die Zeit der Finalspiele ist auch die Zeit des Mannschaftsgeistes. Obwohl viele Leistungsträger verletzt fehlten, stand auf dem Feld keine Ansammlung von übrig gebliebenen Individualisten, sondern ein Team. Marko Pesic, der nach seinem Mittelhandbruch gegen ärztlichen Rat und auf eigene Verantwortung wieder für Alba auflief, traf, wie schon im fünften Halbfinale, einen vielleicht spielentscheidenden Dreier – diesmal zum 68:67. Selbst Nachwuchsmann Heiko Schaffartzik fügte sich in viereinhalb Minuten Einsatzzeit ein, als sei es für ihn alltäglich, ein Finale zu spielen. In der Aufstellung im Programmheft fehlte übrigens auch er.

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